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Dinner for one

Es ist schon merkwürdig wie viele Dinge man ganz selbstverständlich so oder so tut und sich nichts dabei denkt. Aber das sollte man. Bewusstes Leben bedeutet in erster Linie achtsam zu sein in seinem Handeln, gegenüber anderen und sich selbst.

Wie ihr wisst, probiere ich es seit letzter Woche fleischlos. Das hat zur Folge, dass mein Essen manchmal schneller fertig ist als das meines Freundes, das noch in der Pfanne vor sich hin brutzelt. Während er sich also noch mit seinen E-Mails auseinandersetzt und ein Auge auf den Herd hat, setze ich mich schon mal an den Tisch, mache mir eine Kerze an und fange an bevor es kalt wird.

“Ach Gott, du bist ja süß. Setzt dich so allein an den Tisch.”, sagt er, als er mich da so mit mir allein sitzen sieht. Und da wurde mir klar, dass es gar nicht so normal ist bestimmte Dinge einfach nur für sich zu tun. Hätte ich nebenbei Fernsehen geguckt oder vorm PC gesessen, wäre ihm das bestimmt nicht komisch vorgekommen. Aber so muss ich einen ziemlich einsamen Eindruck gemacht haben. Obwohl genau das Gegenteil der Fall war.

Gerade wenn man schon lange in einer Beziehung ist oder oft und hingebungsvoll für andere Menschen sorgt, verkümmert der Anspruch auch ohne Publikum gut zu sich zu sein schnell. Etwas wirklich nur mit dem Zweck zu tun, sich selbst gut zu behandeln ist ein Akt der Selbstliebe. Doch oft will man nicht wahrhaben, dass auch wenn alle weg sind, immer noch einer da ist. Man selbst.

Ich vergesse das auch oft genug. Es kostet Überwindung. Da ist ein richtiger Widerstand im Bauch, wenn es nur meinetwegen länger dauern oder mehr Aufwand betrieben werden soll. Und es ist ein komisches Gefühl sich selbst Gesellschaft zu leisten. Ein anderer Mensch, sogar nur die Moderatorin im Fernsehen, geben einem viel schneller und weniger verbindlich das Gefühl nicht allein zu sein. Doch es werden die Situationen kommen, in denen man sich wünschen wird, man hätte gelernt wer noch da ist, wenn der Fernseher aus ist und alle anderen bereits gegangen sind.

Radikal statt sporadisch

So’nen kleine Hang zur Radikalität hatte ich ja schon immer. Das geht wahrscheinlich gar nicht anders, wenn man zugleich sehr idealisitsch ist. Kompromisse führen eben nicht immer zum besten Ergebnis.

Aber in den letzten Jahren habe ich mich sehr an meinen Lehnstuhl gewöhnt. Es hat eine Weile gedauert, aber ich habe verstanden was es heißt “einfach” durch’s Leben zu kommen. Früher war mir das absolut fremd und unverständlich. Mittlerweile kann ich die Verführung den Weg des geringeren Widerstandes zu gehen besser nachvollziehen.

Ich merke aber zunehmend, dass mir diese Art zu leben zwar viele lästige Begleiter wie übertriebenen Ehrgeiz und den ständigen Zwang andere von meinen Werten und Vorstellungen überzeugen zu wollen vom Halse geschafft hat, sich dafür aber an anderer Stelle “Disziplins”-Probleme eingestellt haben.

Sobald es schwierig wird, lass’ ich es. Das hat sich eine Weile lang gut angefühlt, so ungezwungen. Aber auch das ist eben nicht das Allheilmittel und schon gar nicht, wenn es um Dinge geht, die man für sich durchziehen muss. Darin bin ich nämlich genauso nachlässig geworden.

Ich merke, dass ich nicht im Gleichgewicht bin. Meine Haut ist wieder schlechter geworden und ich bin nicht erfüllt, eher unruhig und unausgelastet. Diese Zeiten sind immer sehr kraftraubend, aber der richtige Zeitpunkt, in dem man die sich anbahnende Veränderung aktiv unterstützen sollte.

Und das werde ich tun. Schließlich will ich mir helfen. Ich habe beschlossen meine Ernährung radikal umzustellen, meine Haare nicht mehr zu färben, nur noch das notwendigste zu kaufen und im Mai vier Wochen in die Sonne zu fahren.

Langsam komme ich dahinter, dass all diese Dinge mich zwar kurzzeitig (sehr, sehr, sehr) befriedigen, im Nachgang aber allesamt bitter schmecken. Nach wie vor streikt mein Magen nach der zweiten Tasse Kaffee, die ich ihm mit Gewalt trotzdem aufzwinge und mein Hautbild merkt sich jede “RitterSportAlpenmilchsünde”. Meine Haare sind trocken und kaputt. Dieser ständige Konsum macht mich nach wie vor krank. Nicht mal so sehr bei mir, sondern überall dort wo Einkaufszentren gebaut werden und Werbung das Stadtbild dominiert. Und das ist in Berlin nahezu überall.

Ich bin ein richtiger Hippie geworden. :-D Das hätte ich früher nie für möglich gehalten. Aber ich folge meinem Herzen und es wünscht sich diese Konsequenzen. Und dabei ist mir ganz egal, wie das nach außen aussieht (Ich freue mich schon auf die Vegetarier-Diskussionen). Viel interessanter ist, wie es nach innen aussieht. ;-)

Bis bald, ihr Hübschen.

Eure Cali