Es ist schon merkwürdig wie viele Dinge man ganz selbstverständlich so oder so tut und sich nichts dabei denkt. Aber das sollte man. Bewusstes Leben bedeutet in erster Linie achtsam zu sein in seinem Handeln, gegenüber anderen und sich selbst.
Wie ihr wisst, probiere ich es seit letzter Woche fleischlos. Das hat zur Folge, dass mein Essen manchmal schneller fertig ist als das meines Freundes, das noch in der Pfanne vor sich hin brutzelt. Während er sich also noch mit seinen E-Mails auseinandersetzt und ein Auge auf den Herd hat, setze ich mich schon mal an den Tisch, mache mir eine Kerze an und fange an bevor es kalt wird.
“Ach Gott, du bist ja süß. Setzt dich so allein an den Tisch.”, sagt er, als er mich da so mit mir allein sitzen sieht. Und da wurde mir klar, dass es gar nicht so normal ist bestimmte Dinge einfach nur für sich zu tun. Hätte ich nebenbei Fernsehen geguckt oder vorm PC gesessen, wäre ihm das bestimmt nicht komisch vorgekommen. Aber so muss ich einen ziemlich einsamen Eindruck gemacht haben. Obwohl genau das Gegenteil der Fall war.
Gerade wenn man schon lange in einer Beziehung ist oder oft und hingebungsvoll für andere Menschen sorgt, verkümmert der Anspruch auch ohne Publikum gut zu sich zu sein schnell. Etwas wirklich nur mit dem Zweck zu tun, sich selbst gut zu behandeln ist ein Akt der Selbstliebe. Doch oft will man nicht wahrhaben, dass auch wenn alle weg sind, immer noch einer da ist. Man selbst.
Ich vergesse das auch oft genug. Es kostet Überwindung. Da ist ein richtiger Widerstand im Bauch, wenn es nur meinetwegen länger dauern oder mehr Aufwand betrieben werden soll. Und es ist ein komisches Gefühl sich selbst Gesellschaft zu leisten. Ein anderer Mensch, sogar nur die Moderatorin im Fernsehen, geben einem viel schneller und weniger verbindlich das Gefühl nicht allein zu sein. Doch es werden die Situationen kommen, in denen man sich wünschen wird, man hätte gelernt wer noch da ist, wenn der Fernseher aus ist und alle anderen bereits gegangen sind.