Ich habe Angst vor Facebook

Liebe Leser,

allmählich wird es mysteriös, wenn man das so sagen kann. Die Timeline bei Facebook kommt und als ich das las, lief es mir eiskalt den Rücken runter. Ereignisse im Leben eines Menschen wie „Verlust eines geliebten Menschen“ und „Erster Kuss“  erhalten nun Anführungszeichen und werden zu Kategorien einer Internetplattform, die nun vollends dem Größenwahn verfallen ist. Und das Schlimmste daran ist, alle und zwar wirklich alle machen mit.

Es könnte mir die Tränen in die Augen treiben, wenn ich an eine Zeit denke, in der tiefe Trauer und großes Glück noch Teile eines Lebens waren, die man in Vertrauen und Ehrfurcht mit jemandem Besonderen geteilt hat. Als sie noch Dinge waren, die man unter großer Überwindung mündlich in Worte fassen musste, begleitet von Seufzern und Blicken, die so viel mehr sagen können, als jedes gottverdammte Icon es jemals können wird. Blicke, die man als Zuhörer nie wieder vergessen wird, weil man durch sie in die Seele des anderen gucken durfte und damit in die eigene.

Das, was sich jetzt schnulzig anhört, nannte man einmal „besondere Momente“, die heute nichts mehr sind als ein Tastenklick und zig mitfühlende Kommentare, von Leuten, die das überhaupt nichts angeht. Wir sind drauf und dran unser Leben, das Einzige, was wir wirklich besitzen, für eine Sucht nach Identität, Intimität und letztendlich Geld zu verkaufen. Man mag meinen, dass der schnelle und einfache Internetkontakt die Menschen näher zusammenbrächte, doch in Wahrheit hat er uns entfremdet. Das Internet ist jeder Kontrolle entwichen, das macht es mächtig in jeder Hinsicht. Wer sagte doch gleich, dass der Mensch sich hüten solle vor Dingen, die er benutzt, aber nicht versteht?

Üblicherweise kommen an dieser Stelle panische Gegenargumente von Leuten, die am tiefsten drinstecken, wie „Man muss ja nicht…“ und „Mir ist das egal…“. Wenn hinter beidem die Wahrheit stecken würde, dann…aber dem ist nicht so. Es herrscht ein Zwang, der sich durch alle Gesellschaftsschichten und Altersklassen zieht.  Keine Fotos von der letzten Party bedeuten man hat keinen Spaß. Keine täglichen Kommentare bedeuten man hat kein I-Phone. Keine Film- und Musikbeiträge bedeuten man hat keinen Geschmack. Keine Likes bedeuten man hat keine Freunde. Kein Facebook bedeutet man hat kein Leben. Zumindest kein Schönes, denn sonst hätte man ja nichts zu verbergen. Bei aller Sachlichkeit- das ist krank.

Auf bald,

Cali

6 thoughts on “Ich habe Angst vor Facebook

  1. Nö, drei! Aber es sind viel, viel mehr, bestimmt. NixZen, z.B., ist ein eiserner Facebookverweigerer, wie fast alle Blogger, mit denen ich regelmäßigen Lesekontakt habe. Es wird aber leider irgendwann so kommen, dass wir – ich sicher nicht mehr! – nicht anders können, als Mitglied in diesem „sozialen“ Netzwerk zu werden. Viele Menschen sind ja heute schon von Angeboten ausgeschlossen nur weil sie keinen Computer oder kein Internet haben. Ja, solche Menschen gibt es auch noch. Ich kenne sie.
    Nun ist es aber auch so, dass nicht nur Facebook uns ausspioniert. Jede Suchanfrage bei Google wird registriert. Bei jedem Kauf auf einer der vielen Internetplattformen legen wir ganz bereitwillig Spuren.

    • Ja, liebe Elvira, da hast du recht. Sobald man das Internet nutzt hinterlässt man Spuren. Aber es macht eben einen Unterschied, ob gewisse Stellen sehen können was ich gekauft habe oder ob ich der gesamten Öffentlichkeit erzähle, dass ich gerade bei Oma zum Kaffee bin. Ersteres ist nicht schön, aber ich nehme es in Kauf. Letzteres hingegen geht für mich eindeutig zu weit. Es überschreitet die Grenze zur Intimität.

    • Es wird aber nicht anders gelehrt. Um mitreden zu können, habe ich mir vor langer Zeit zwei Tage lang Nachmittagsfernsehen angetan. Wüsste ich, wie ich das als Brechmittel vermarkten könnte, wäre ich eine reiche Frau. Was macht das aus den Menschen, die das konsumieren? Genau! Sie verlieren ihre Grenzen. Und überschreiten fremde. Aber offensichtlich nehmen das die meisten Menschen billigend in Kauf.

    • Ich glaube sie nehmen es einfach nicht als das Überschreiten von Grenzen wahr, sondern als Normalität. Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung.

    • Ich hatte an die Pinwand im Sozialraum meiner Arbeitsstätte einen interessanten Artikel über Facebook und Google ausgehängt (fast alle meiner Kolleginnen sind bei FB). Fazit: Als gelesen zur Kenntnis genommen, Schulterzucken, und schwupps via Smartphone bei FB schauen, was es Neues gibt.

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