Lifestylen

Liebste Leser, <— (das /innen lasse ich weg, davon halte ich nämlich nichts. Dazu später einmal mehr.)

Lifestylen gehört zu den Grundbedürfnissen des zeitgenössischen Menschen in unseren Breitengraden. Generell überall dort, wo es nicht mehr um das blanke Überleben geht ist die optimale „Lebensart“ zum Mittelpunkt unseres Begehrens geworden.  Sowohl der Weg dorthin, als auch das konkrete Ziel sind ganz unterschiedlich, zumindest auf den ersten Blick.

Erfolgreich, bequem, erfüllend soll unser Leben sein, darum „stylen“ wir es. Als gingen wir zum Friseur, beschnippeln wir unser Leben durch Handlungsweisen. Der lang ausgetüfftelte Kleidungsstil gehört genauso dazu, wie die Berufswahl. Eigentlich wollen wir uns treu bleiben und uns als Individuum betonen, aber ohne den Blick auf den Anderen geht es irgendwie auch nicht. Denn nichts wird mehr gefürchtet als die Überlegenheit des Mitmenschen.

Nur wenn wir unserer Umwelt Glauben machen, dass wir total glücklich sind und unser Life genauso stylen wie wir das schon immer wollten, ohne Schwächen oder Fehlentscheidungen eingestehen zu müssen, sind wir sicher nicht den Anschluss zu verlieren. Doch was genau würde das heißen? Könnte man das nicht überleben?

Es ist eine unbeschreiblich wertvolle Sache, dass wir heute zumindest in größerem Umfang als je zuvor unser Leben gestaltet können, wie wir uns das wünschen. Leider fehlt das Verständnis dafür, was das bedeutet und was es nicht bedeutet gänzlich. Denn es heißt nicht, dass uns diese beinah Grenzenlosigkeit zwingt immer unzufrieden zu bleiben. Es heißt nicht, dass das umwerfende Kleid eine Prinzessin aus mir macht, wenn ich es nicht auch splitterfaser nackt bin. Es heißt nicht, dass wir ununterbrochen um den richtigen Lebensweg konkurrieren müssen. Denn den gibt es schlicht nicht. Und es heißt nicht, dass ein Kampf um Individualität und Identität entbrennnen darf, der beides auslöschen wird. Es bedeutet nicht sich durch unästhetisch große Sonnenbrillen, dicke Autos oder den Neuseelandaufenthalt zu profilieren.

Vielmehr haben wir die Chance erhalten uns endlich gegenseitig anzuvertrauen und das Theater zu beenden. Wir könnten uns wahrhaftig kennenlernen und in dem Anderen uns selbst erkennen. Sozialer Status, Herkunft und Geschlecht sind keine Hindernisse mehr, um uns gegenseitig immer und immer wieder wertzuschätzen. Doch dafür müssen wir nicht stylen, sondern uns offenbaren. Die Fassade fallen lassen und uns hinter die Kulisse gucken lassen.

Das erfordert noch sehr viel Mut, aber es lohnt sich. Jeder sehnt sich danach, er selbst sein zu dürfen. Keine Lust auf Neuseeland zu haben, sondern auf Hintermühle, Haare an Stellen zu haben, wo es schon längst nicht mehr die Normalität ist, ist okay und bei Star Bucks unendlich viel Zucker und Milch in den Pott zu schütten, weil man eigentlich gar keinen Kaffee trinkt, hilft niemandem, außer denen, die vom „Lifestylen“ leben.

Auf bald,

eure Cali

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