Manchmal muss man ein Arsch sein

Meine liebe Leserin, mein lieber Leser,

eigentlich wollte ich aus Zeitgründen erst morgen wieder etwas schreiben, aber ihr fehlt mir. Darum etwas Würze in aller Kürze.

Ich hatte heute eine kleine Unterredung mit meinem Vermieter. Ihr wisst ja bereits, dass es doch die ein oder anderen Probleme in meiner Nachbarschaft gibt, deren vorläufiger Höhepunkt sich kürzlich ereignete. Sachlichkeit stopp. Verdammt nochmal, es war Zeit für klare Worte. Die Schonfrist war abgelaufen und, bei allem Zen, das sollte man auch spüren. Denn für die absolute Selbstaufgabe bin ich noch nicht bereit. Nachsicht bis zu einem gewissen Grad muss reichen, denn alles andere grenzt an seelischen Harakiri, Überlebenstrieb Fehlanzeige. Ich habe nicht auf Einsicht gehofft, na vielleicht ein bisschen, ist ja schließlich sein Job, den er miserabel macht. Aber was tatsächlich geschah ist im Nachhinein ein bisschen surreal.

Rhetorisch schön verpackte Spitzen, brave Zurede oder eine klare Ansage lagen in meiner Erwartung auf meinen ausführlichen telefonischen Vortrag, doch bekommen habe ich deplatzierte Emotionalität und, so Leid es mir tut, unerträgliche Unprofessionalität. Die Geschichte des kranken Sohnes war nicht etwa die Krönung des Gesprächs, sondern der Abbruch des Telefonats seitens des Vermieters, mitten im eigenen Satz. Das nennt man wohl „Systemabsturz“. Da blieb mir glatt die Spucke weg. Man stelle sich vor jeder von uns bräche am Arbeitsplatz die Zelte ab, würde es einmal unbequem. Etliche Brötchen würden verbrennen, Häuser ungedeckt bleiben, medizinische Notfälle sterben, verstopfte Toiletten die Wohnungen überfluten, Ratten die Städte bevölkern,  Schüler nichts lernen, Autos nicht fahren und, das Schlimmste, Läden nicht öffnen. Der Totalausfall würde über uns kommen, wären alle so stabil, wie mein Vermieter. Um alle Kritiker zu besänftigen, handelt es sich nicht um eine Laune des Mannes, sondern um einen Dauerzustand.

Ich kenne sein Schicksal nicht, seine Last und ihn gleich gar nicht und normaler Weise würde all das mich interessieren. Doch in diesem Fall tut es das nicht. Darf es das nicht. Seine Inkompetenz kostet mich mittlerweile mehr Nerven als der unbedeutende Rest meines Lebens und genau da verläuft die Grenze des Machbaren. Also werde ich der nervige Arsch (Ärschin – Haha) bleiben und meine Interessen weiterhin energisch vertreten. Vielleicht trage ich auf Umwegen dazu bei, dass er umdenkt für sich und andere, auch wenn ich dabei richtig mies aussehe.

Auf bald,

eure Cali

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