Mut zur Durchschnittlichkeit

Hallo meine Lieben,

der Titel dieses Artikels geistert mir schon seit, sagen wir mal, einiger Zeit durch den Kopf. Umso mehr freut es mich, dass ich endlich die Gelegenheit habe etwas dazu loszuwerden. Oder sollte ich lieber schreiben:

Es freut mich wirklich supermegadoll!😉

Denn meine Generation liebt den Superlativ. Jede Lebenslage wird inzwischen an eine riesige Messlatte angelegt, schon das allein ist eigentlich schlimm genug. Beinahe alles ist messbar geworden. Aussehen, Erfolg, Persönlichkeit, Geschmack, Lebensfreude und vieles mehr sind nun mehr „Größen“. Ein „Daseinsbarometer“ unserer Zeit ist Facebook (Ich weiß, das hören viele nicht gern). Die „Likes“ und Kommentare sind die Werte der y-Achse und auf der x-Achse stehen wir. Und wehe dem die Kurve wächst nicht jeden Tag, dann fallen wir aus der Statistik, denn das Mittelmaß besitzt keine Berechtigung mehr.

Darum werden Fotos bearbeitet, Ereignisse beschönigt und Freunde gesammelt. Sollte man nicht in der glücklichen Lage sein ganz oben mitzumischen, geht man eben in die andere Richtung. Hauptsache man bildet ein Extrem. Auch besonders „freakig“, „verrückt“ oder „schlecht angezogen“ sind beliebte Aufhänger. Das ist für die meisten allemal besser als das Mittelfeld zu bevölkern.

Dabei ist es so befreiend sich diesem Wettlauf zu widersetzen, in dem man einfach gar nichts dreht und schraubt. Sich mit der eigenen Durchschnittlichkeit zu arrangieren ist der Anfang von etwas ganz Großem und die einzig sinnvolle Vorraussetzung für etwas „Besonderes“. Nicht jeder kann ein Star, Nobelpreisträger, der/die Schönste oder Kanzler werden. Und das ist verdammt nochmal auch gut so! Denn auf diese Weise ist man gezwungen den eigenen Wert selbst zu ergründen ohne ihn von äußeren Umständen abhängig zu machen. Das ist unsagbar wertvoll.

Zufällig ist mir ein Berliner Lifestyle-Magazin in die Hände gefallen. Im Mittelteil befinden sich Partybilder der Nachtszene. Von 63 Bildern hat es eine junge Frau geschafft normal in die Kamera zu lächeln. Auf allen anderen sind Grimassen, küssende Frauen und posende Männer zu sehen. Warum fällt es uns nur so schwer zu glauben, dass wir überzeugen können, einfach so wie wir sind?

Auf bald,

eure Cali

 

8 thoughts on “Mut zur Durchschnittlichkeit

  1. Diesen Eintrag kann ich vollen Herzens unterschreiben.
    Ich wäre keine gute Politikerin, für einen Star (oder noch einer zu werden) bin ich zu alt, meine Geschichten berühren eine kleine, aber feine Gemeinschaft aber ich bin keine große Literatin. Ich spiele gut Geige, mittelmäßig Klavier, ganz passabel Gitarre und sehr gern Flöte. In meiner Familie ist nicht alles Gold was glänzt und bei der Erziehung meiner Kinder sind mir wohl einige Fehler unterlaufen – aber: ich liebe sie und sie lieben mich und das ist das Wichtigste. Ich bin mittelmäßig, oder durchschnittlich oder wie auch immer und das bin ich gern.

    Herzliche Grüße
    Regina

    • Liebe Regina,

      es rührt mich, dass du dich hier bei mir so offenbarst. Dieser Kommentar ist gar nicht mittelmäßig, sondern wunderbar ehrlich. Ich danke dir für’s Lesen und Schreiben!

      Viele liebe Grüße an das klatschmohnrot,

      Cali

  2. Du hast so recht, ich wollte auch immer etwas Besonders sein nur um nicht in den Mittelmaß zu fallen…frag mich nicht warum. Versuche nun etwas entspannter mit vielen Dingen umzugehen, aber ganz klappt es noch nicht.

    • Liebe Mascha, es ist ganz normal, dass man etwas Besonderes sein will. Ich kann auch nur darüber schreiben, weil ich es von mir kenne. Wichtig ist es zu erkennen und diesem inneren Drang so oft wie möglich zu widerstehen. Dann ist schon ganz viel geschafft. =)

  3. Ich finde, ich bin etwas Besonderes. Nämlich einmalig auf der Welt. Es gibt mich kein zweites Mal, so wie Dich nicht, meinen Mann nicht, meine Kinder nicht, meine Enkel nicht, meinen Zeitungsboten nicht – es gibt uns alle nur ein einziges Mal! Das macht uns alle zu etwas Besonderem, nicht wahr?
    Liebe Grüße,
    Elvira

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