Das blanke Verderben nur zwei Etagen tiefer

Meine lieben Lieben,

kaum hatte ich die Wohnungstür hinter mir ins Schloss fallen lassen, hörte ich diese unliebsamen Geräusche. Stimmengewirr und Hundegebell. Der Nachteil in meinem Fall, wenn man ganz oben wohnt ist, dass man an vielen anderen Wohnungstüren vorbei muss, bevor man endlich ins Freie kommt. Darüber denkt wahrscheinlich nie jemand nach, außer mir. Aber ich habe nun mal Angst. Angst davor, dass im Moment meines Vorübergehens eine der anderen Türen aufgeht und…ja,was eigentlich?

In meiner Vorstellung kommt ein riesiger Hund herausgestürmt, rennt auf mich zu und springt mich an. Wahrscheinlich würde er mich beißen, denn in meinem Kopf ist er aggressiv und blutrünstig. Sein Herrchen würde ihn nicht zurückhalten, denn so sind die Leute in meinem Haus nicht. In einer anderen Vision kommt eine große Gruppe jener Art von Leuten durch die Tür, denen ich nicht im Dunkeln, allerdings auch nicht im Hellen begegnen will. Sie sind mir unheimlich, vielleicht schon wieder betrunken. Ohne mich einen Schritt bewegt zu haben, stehe ich auf dem Treppenabsatz und dekliniere alle diese Fälle sorgfältig durch. Ich muss mich entscheiden: Gehe ich nochmal zurück in meine Wohnung und warte einen Moment oder wage ich es?

Da gibt es etwas in mir, für das Vermeiden keine Option ist. Ich bin sehr dankbar für diese Eigenschaft, die mich davor bewahrt mein Handeln von Ängsten abhängig zu machen. Also bin ich gegangen. Energisch, man soll mir schließlich nichts anmerken. In Etage 1 angekommen steht die Tür offen und dieser Was-auch-immer-Mischling knurrend davor. Entgegen aller guten Vorsätze verfalle ich sofort in Schockstarre und kann keinen Fuß mehr vor den anderen setzen. Denkbar schlechte Voraussetzungen, um den Giftzwerg hinter mir zu lassen. Schon höre ich, wie aus dem Inneren der Wohnung eine Gestalt angeschlurft kommt und ich sehe schon vor meinem inneren Auge meine schlimmsten Befürchtungen wahr werden.

„Koko, komm‘ hier her!“, brüllt es versoffen aus dem Stübchen. Mit einem letzten Bellen in meine Richtung zieht Koko mürrisch ab, der keineswegs so hübsch ist, wie sich „Koko“ anhört. Nun guckt ein runder Kopf durch den Türrahmen und sagt „Ach, du bist die Hundeängstliche, wa?“. „Ja, ist wohl so.“ „Der tut dir aber nüscht. Is‘ nur ’nen Macker.“ Die Tür fliegt zu und mit ihr die Türen meiner Vorstellungen.

Ich habe es überlebt und klüger bin ich auch noch. Koko ist ein Macker, ein Angeber, der eben bellt und nicht beißt. Sein Herrchen hat mich überrascht, hat sich gemerkt wer und zumindest wie ich bin. Was will ich mehr? Meine Vorstellung versprach ein bitterböses Ende, doch die tatsächliche Erfahrung war beinahe! handzahm. Ich werd’s mir merken. Kommt nur ihr Hu…Herausforderungen dieser Welt, euch schaff‘ ich auch noch!😉

In unbezwingbarem (Über-)mut,

eure Cali

7 thoughts on “Das blanke Verderben nur zwei Etagen tiefer

  1. Hihi, Cali, das erinnert mich an einen Sketch. Ist schon viele viele Jahre alt. Da rennt ein Mann in seiner Wohnung umher und malt sich in den schlimmsten Farben aus, was sein Nachbar ihm wohl antun könnte. Es wird immer schlimmer. Denn stürzt er aus der Tür, klingelt beim Nachbarn. Der öffnet – und der andere haut ihm erstmal eine runter. Lach – um ihm zuvor zu kommen.

    Find ich klasse, daß Du dies Abenteuer überstanden hast und es sogar für Dich noch auseinander genommen hast.

    Liebe Grüße von Kirstin

    • Hm, vielleicht sollte ich ähnlich vorgehen. Dafür müsste ich mir aber erstmal einen eigenen und größeren Hund anschaffen. =D Eine wahre Herausforderung, zumal ich von großen Hunden in der Stadt nicht viel halte. Da kommt zu meiner Abneigung dann doch noch genug Tierliebe. Asphalt und enge Wohnungen sind einfach die falsche Umgebung. Vom Thema abgekommen-egal!

      Viele Grüße und einen guten Start in die Woche, liebe Kirstin, Cali

    • :-D! Als ich den Anfang gehört habe, habe ich erstmal „Pause“ gedrückt, mir einen Kaffee geholt und das Chili von gestern warm gemacht. Dann habe ich das „Video“ genossen und mich köstlich amüsiert. Gut, dass ich euch habe. Sonst entginge mir so einiges. Vielen Dank für diesen Tipp!

  2. Spätestens wenn die eigene Beweglichkeit – und somit die Schnelligkeit – abnimmt, kann Mann sich vor diversen Herausforderungen nicht mehr drücken. Ich habe absichtlich Mann geschrieben, denn Deine Geschichte erinnert mich an eine Geschichte meines Mannes, als dieser noch sehr jung war (31). Er wohnte damal in der 4.Etage eines Berliner Altbaus. Eines Tages ging er gedankenverloren die Treppen hinunter, als sich im ersten Stock die Tür öffnete und er sich, fast Nase an Nase (mein Mann war damals noch 190cm groß!), einer unglaublich großen Dogge gegenübersah. Offensichtlich war diese noch überraschter als mein Mann. Er nutze diesen Umstand und rannte die drei Stockwerke wieder hoch. Hinter sich hörte er das immer näherkommende Geräusch, das die Hundeleine verursachte, die von Stufe zu Stufe klapperte. Mein Mann schaffte es, die Wohnungstür aufzuschließen und in Sicherheit zu hechten. Vor der Tür hörte er das laute Schnaufen der Dogge und schließlich einen Mann, der den Hund wieder mit nach unten nahm.
    Heute haben wir selbst einen Hund😉

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