Das Leben ist ein Rückkehrbumerang

Könnt ihr ihn finden?

Meine liebsten Leser,

es fällt mir immer wieder auf und ich muss nicht selten darüber schmunzeln wie ironisch das Leben manchmal spielt und mich ganz schön alt aussehen lässt.

Ich diskutiere gern, habe meist klare Standpunkte, die ich noch vor einiger Zeit aus Überzeugung bis auf’s symbolische Blut verteidigt hätte. Es ging mir früher eben oft ums Prinzip. Das hat abgenommen und wisst ihr auch warum? Mir sind die tonnenschweren Argumente, die ich den meist schlechter vorbereiteten Kontrahenten vor die Füße geworfen habe, auf die Füße gefallen. Das tut weh und man merkt es sich.

Denn nur zu oft entdeckte ich in mir selbst schon kurze Zeit später das Gefühl, die Ansicht, das Verhalten, die ich bei den Anderen ganz schlimm fand und rigoros abgelehnt hatte.

Kennt jemand von euch den Begriff „Frutten“? Sie waren mein Feindbild. Völlig überschminkte, unnatürliche Mädchen oder junge Frauen, deren wenig sehenswerte Unterwäsche einen im Supermarkt oder auf dem Radweg anlächelte. Ich konnte mit ihnen nichts anfangen, wollte sie einfach aus meinem Weltbild wegrationalisieren, war ich zu Schulzeiten fast ständig von ihnen umgeben. Diese Abneigung wurde dann mit zunehmendem Alter zu Gleichgültigkeit und heute! gucke ich die Katzenberger. Ich halte mir zwar die Augen zu, wenn ihr Dekolleté  schon wieder in aller Fremdschämmanier in der Großaufnahme gezeigt wird, aber ich kann sie als Medienfigur leiden. Was soll ich sagen?

Ich stritt erst kürzlich mit meinen Eltern um das Thema „Wasser sparen“. Natürlich bin ich auch der Ansicht, dass unsere Ressourcen geschont werden sollten, aber gegen das Abschöpfen von Badewasser in Eimern, um es anschließend anderweitig zu verwenden wehrte ich mich. Dann hätte ich überall Eimer rumstehen und überhaupt. Neulich nahm ich dann ein Vollbad, eine viertel Stunde später stieg ich aus der Wanne und sah das ganze Wasser noch nicht mal abgekühlt, was nun in den Abgründen des Abflusses verschwinden würde. Mein Blick wanderte weiter zum Schränkchen mit dem Putzeimer. „Hach.“, seufzte ich und grinste in mich hinein.

Ich bin vorsichtiger geworden und spare mit das ein oder andere Urteil fortan. Es könnte mich selbst treffen. Ich werfe seltener einen Bumerang und wenn doch, dann warte ich schon gespannt auf seine Rückkehr.

Ein wunderschönes Wochenende wünscht euch

Eure Cali

11 thoughts on “Das Leben ist ein Rückkehrbumerang

  1. Jaja, man wird eben alt und macht so seine Erfahrungen … Heute gucke ich auch abends eine Soap, und so manches, was man früher verachtet hat, tut man inzwischen selbst.😉
    Am Schlimmsten ist für mich nur, wenn ich ein Verhalten an mir bemerke, das ich von meiner Mutter habe, und das mich immer furchtbar aufgeregt hat. Das geht gar nicht!😦
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende!

    • Liebe Ellen, tatsächlich bin ich noch gar nicht alt, aber ich fühle mich manchmal schon wie eine alte Frau unter Gleichaltrigen. Ich würde sagen, wir nehmen es einfach hin, dass wir eben doch nicht wider unserer Natur können. Dann verstehen wir nicht nur uns besser, sondern auch unsere Mutter. Das trägt zu jeder Form von Aussöhnung bei.😉 Viele liebe Grüße an dich, Cali

  2. Ja, hab ihn !!! Direkt in der Mitte? Den Bumerang mein ich. Hast Du das gemalt?

    Ich wollte alles, bloß nie so werden wie meine Mutter … na ja … nicht ganz geglückt😉
    Und übrigens hab ich auch mein halbes Leben damit verbracht, dagegen zu sein. Grundsätzlich erstmal gegen alles. Diese Haltung, die Du beschreibst, tut mir aber auch auf jeden Fall besser. Ich find sie viel schlauer, man lernt sich selber kennen.

    Liebste Grüße und schönes Wochenende wünscht Kirstin

    • Ach, jetzt habe ich es verstanden! Nein, nicht direkt in der Mitte?! =)

      Nee, hab‘ nicht ich gemalt sondern Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938),Titel: Auf der Moritzburger Insel Badende mit Bumerang😉 Ich könnte euch eigentlich mal Bilder von mir vorstellen, ne? Kommt in den Ideenfundus.

      Ja, ich denke auch sie ist die bessere Variante. Auffällig, dass sehr viele nicht wie ihre Mutter werden wollen. Höre ich in letzter Zeit immer häufiger im Zusammenhang damit, dass man es doch wird.😉

      P.S.: Vielleicht ist auch das einen eigenen Beitrag wert! =)

  3. Sehr interessanter Artikel…..ich habe mal gehört, daß das was uns an anderen stört, oft ins uns selbst zu finden ist….eine Art Spiegel….

    • Liebe Mascha, da ist in jedem Fall ‚was dran. Es ist manchmal ziemlich schmerzhaft das zu erkennen, weil man das Selbstbild über den Haufen werfen muss und einige schaffen es deshalb nicht, aber ja…deshalb kann große Ähnlichkeit zwischen Menschen auch ein großes Konfliktpotential bergen. Komm‘ gut ins vorletzte(?) Wochenende in Indien! Cali

  4. Hallo Cali,

    ja ja, eigentlich sollten wir dankbar sein über jeden, der in uns diese Gefühle auslöst, denn – es ist tatsächlich unser Spiegel. Das, was wir an uns nicht sehen wollen, was wir vielleicht sogar verachten (unser Schatten), projezieren wir auf unser Gegenüber.

    Dadurch sind wir den „schwarzen Peter“ los, brauchen keine Verantwortung mehr für unsere unangenehme Emotion übernehmen… es geht doch im Grunde NUR darum, bei allem zu schauen, was es mit UNS macht und warum🙂

    Auch Dir ein wunderschönes Wochenende ( von Berlinerin zu Berlinerin😉 )

    LG
    Tine

    • Liebe Tine, danke für deinen Kommentar! Das „ja, ja“ verrät „wenn das mal alles so einfach wäre“, was? Aber wir bemühen uns alle, das ist doch ‚was! Danke und ganz viel B-Power, Cali *gg*

  5. Da sagst du was! Ich war früher eine Frutte! Heutzutage kann ich diese Mädels nicht ausstehen und doch muss ich akzeptieren, dass sie in mir steckt/e!

    Und auch ich gucke die Katzenberger. Habe ich mich doch anfangs mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, behauptet, dass ich mir niemals so eine niveaulose Sendung angucken würde, um mich dann dabei zu ertappen (heimlich, wenn niemand hinsieht) zu ihrer Sendung zu schalten. Ich habe sie auch nur aus Prinzip gemieden, aber wie du schon sagst, diese sollte man ab und an mal überdenken… Das habe ich und nun kann ich fast selbstbewusst sagen: Ich gucke die Katzenberger!

    Mit den Müttern ist das so eine Sache! Ich bin auch wie meine Mama. Eigentlich ist das doch schön, wir lieben sie doch! Ich rege mich auch gerne darüber auf, wie sie sich manchmal verhält, bis ich erschrocken feststellen muss, dass ich mich genauso benehme. Früher war ich völlig entnervt, dass sie sich ständig unbegründet Sorgen machte! Ich habe darüber gelacht, dass sie die Jalousien sofort zudreht, kaum, dass es dunkel wird! Und wenn sie mal wieder durch’s ganze Haus trampelt wie ein Elefant, wurde ich fuchsteufelswild. Und heute mache ich es genauso! Akzeptieren wir es!

    Danke für deinen schönen Beitrag!
    Liebe Grüße, Belleza

    • Liebe Belleza, oh, das finde ich toll, dass du jetzt selbstbewusst dazu stehen kannst. So und nicht anders sollte es sein. Es gibt nichts zu verstecken, zu kaschieren oder zu verändern! Wir sind gut, so wie wir sind.😉

      Das mit Jalousien kommt mir bekannt vor- von meiner Mama! *gg* „Akzeptieren“ ist immer ein gutes Stichwort! Es lebt sich gleich viel unbeschwerter!

      Liebe Grüße auch an dich, Cali

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