Wer richtig schreibt hat wohl nichts Besseres zu tun

Meine lieben Leser,

die deutsche Rechtschreibung wächst mit ihren Aufgaben. Sie richtet sich nach dem Sprachwandel und passt sich dem allgemeinen Sprachgebrauch an. Nicht selten wird aus „falsch“ „richtig“, weil die breite Masse es einfach nicht begreifen will.  Alles und nichts wird möglich. Ob das ein Albtraum, beziehungsweise Alptraum ist oder das Finish gesellschaftlicher Toleranz muss jeder für sich selbst entscheiden.

Auch eine hohe Bildung ist kein Indiz mehr für eine fehlerfreie Rechtschreibung. Das hat zwei Gründe: Ohne einen Duden oder die passende App in der Hosentasche wird es immer schwerer zu entscheiden, ob man jenes so oder so schreibt. Öfter aber noch ist der Grund für grobe orthographische Verfehlungen das unermessliche Desinteresse der Schreibenden. Hauptache ist der andere weiß was ich meine. Die Rechtschreibung ändert sich ja ohnehin andauernd und niemand sieht mehr durch. Wieso sollte man sich also darum bemühen? Für besonders stolze Seelen ist dieses „Runterschrauben“ der Normen allerdings ein schmerzhaftes Zugeständnis an unsere Faulheit.

Die Rechtschreibregeln konsequent zu ignorieren führt nicht selten dazu, dass sie sich zu Gunsten unserer Unwissenheit ändern. Das ist schlecht für die Grammatik- und Ortographiebesserwisser unter uns, denn sie können sich nicht mehr sicher sein, ob das besitzanzeigende „s“ wirklich noch ohne Apostroph geschrieben wird oder ob sich die amerikanische Schreibweise, „Peter’s“, längst unwiderlegbar durchgesetzt hat. Schimpfen über die fortschreitende Amerikanisierung kann man ja Gott sei Dank mündlich.

Im Zuge der Globalisierung sind Unsicherheiten normal, die Einflüsse aus aller Herren Länder, die Rechtschreibreformen und das seltene Schreiben sind legitime Gründe ab und an dem neusten Stand der korrekten Schreibweise hinterherzuhinken. Aber die ausgeschlagene Verantwortung der Medien, der Werbung und der Unternehmer richtig zu schreiben ist ein Vergehen an den nachfolgenden Generationen, für das es keine Entschuldigung gibt. Slogans wie „Wir versichern Ihre Auto’s“ lösen in mir Krämpfe aus, wenn ich daran denke, dass jeden Tag hunderte von Schulkindern an diesem Schild vorbeifahren.

Auf kurz oder lang werden wir uns entscheiden müssen, ob wir noch Wert auf so etwas wie eine Schreibkultur legen oder ob sie zu einem Spielzeug besonders Privilegierter verkommen soll. Diese Frage der Mündigkeit möchte wissen, ob wir es wirklich so schlimm finden, dass für uns gesprochen und geschrieben wird oder ob es nicht auch wunderbar bequem ist nicht mehr auf Augenhöhe schreiben und mitreden zu können.

Kommt gut in das sonnige Wochenende,

Eure Cali

12 thoughts on “Wer richtig schreibt hat wohl nichts Besseres zu tun

  1. Da kann ich Dir nur zustimmen. Mich gruselt es auch regelmäßig beim Lesen. Und das nicht so oft bei Privatpersonen, sondern bei „Qualitätsmedien“. Wenn ich eine Zeitung kaufe, dann erwarte ich, dass die Rechtschreibung korrekt ist. Punkt. Wenn ich einen Blogeintrag oder so was lese, bin ich nicht ganz so streng. Aber diese Apostroph-Sache ist oft lustig bis zu den Tränen🙂

    • Ja, da hast du Recht. Ich finde zwar, dass jeder, der irgendwo schreibt und wenn es ein Plakat ist, die Möglichkeit hat bei Unsicherheiten nachzusehen, aber selbstverständlich sind die Medien viel eher in der Pflicht richtig zu schreiben. Ich kenne es ja selbst, dass man einfach gar nicht ahnt, dass dieses oder jenes Wort anders geschrieben werden könnte, nicht selten aber gucke ich nach. Danke für deinen Kommentar, Cali

  2. Also ich habe zum Beispiel mich strikt geweigert die neue Rechtschreibung zu erlernen. Fand diese ganze Aktion total unnötig und peinlich….Schifffahrt???? Kautsch????? Scherz, oder??!!

    • Also bei Schifffahrt kenne ich es gar nicht mehr anders, aber „Kautsch“? Soll das „Couch“ heißen? Habe ich gleich mal nachgeguckt. Ich kann’s nicht finden. Oder soll das ’nen Scherz sein, den ich nicht verstehe? ;-D

    • Also Schiffahrt war immer mit zwei f…..dann hieß es: Nein 2 ff vom Schiff und ein f von der Fahrt…Kautsch soll Couch sein….es hieß, daß Du das jetzt so schreiben kannst. Schlimm, oder?

    • In jedem Fall schlimm! Man erkennt das Wort ja nicht mal mehr. Es ist einfach auch eine Frage der Ästhetik und „Kautsch“ sieht als Wort aus, wie Blutwurst als Fleischbeilage auf dem Teller (obwohl sie keine Augenweide ist, esse ich sie sehr gern). *gg*

  3. Ha, das find ich toll, daß sich dieses Themas mal angenommen wird. Ich laß zwar jeden so sein, wie er ist. Und mir ist der Mensch wichtig mit seiner Energie, die er ausstrahlt. Alles andere sind nur Äußerlichkeiten für mich, die jederzeit vergänglich sind. Aber trotzdem mag ich für mich selbst auch gern korrekt schreiben. Auch Kommasetzung hat für mich eine Bedeutung.

    Allerdings in meinen Texten, da wird meine Formulierung in letzter Zeit auch eher mal lasch. Ist bei mir allerdings durchaus auch ein Stilmittel. So zu schreiben, „wie einem der Schnabel gewachsen ist“. Lach – wenn ich denn überhaupt noch schreibe. Im Moment ist ja eher Sendepause bei mir. Hab einfach nichts mehr zu sagen.

    Ja, und mit der neuen Rechtschreibung, da bin ich wieder der typische Rebell. Ich weigere mich konsequent, sie anzuwenden. Selbst wenn die Rechtschreibkorrektur ß in ss verwandelt, verwandel ich es wieder zurück.😉

    Allen auch ein schönes Wochenende🙂

    • Da hast du natürlich vollkommen recht. Aber Leute, deren Job es unter anderem ist korrekt zu schreiben, sollten sich da tatsächlich etwas mehr ins Zeug legen. Von der gesellschaftlichen Bedeutung mal ganz abgesehen, wenn auf Plakaten, im Fernsehen und überall stolz Fehler ausgehangen werden.

      Doppel-S und ß finde ich auch schwierig. Was mich letztens richtig verdutzt hat war „vonnöten“- wer hätte das so geschrieben?

      Ach, die Schreibblockade ist bestimmt bald vorbei, liebe Kirstin. Es gibt doch immer ‚was zu sagen, aber ich weiß was du meinst. Manchmal ist Schweigen die bessere Option, um dann voller Elan wiederzukommen. Das hatte das klatschmohnrot auch. Ganz normal.

      Viele, viele Grüße, deine Cali

  4. Oh ja, die Rechtschreibung, ein vertrautes Problem. Egal, wo ich hinzog, mein Duden zog mit mir und ist mein bester Freund geworden, seit 2006 die neuen Regeln eingeführt worden sind. Der Duden sagte mir dann auch, dass ich mich über „Peter’s Auto“ gar nicht beklagen darf – und da auch Thomas Mann Namensgenetive mit Apostroph kennzeichnet, hat meine Seele in der Hinsicht Frieden erlangt. Ansonsten sehe ich mich geradezu als Rechtschreibprophetin, deren Lebensziel eine bessere bzw. korrektere Rechtschreibung der Allgemeinheit ist. Dabei läuft man natürlich gegen Wände und Windmühlen an. Aber man hat eine Aufgabe!

    Liebe Grüße
    Kiya

    • =D Schön, dass du mir das mit dem Namensapostroph nochmal gesagt hast, damit auch ich hier Frieden finde! Super, dass du dir eine korrekte Rechtschreibung zur Aufgabe gemacht hast. Das ist kein einfacher Job, aber notwendig, wie dieser Beitrag findet.😉 Viele, viele Grüße, Cali

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s