So unantastbar wie die Wahrheit sind auch wir

Meine lieben Leser,

nicht nur Wahrheiten sind unantastbar, nicht in Worte und Bilder zu fassen, sondern auch wir Menschen. Nichts ist logischer. Unsere innere Wahrheit, unser Sein, unsere Identität kann unmöglich in seiner Gesamtheit medial erfasst werden. Wir sind sensibel, schlau, unerfahren, kompliziert oder optimistisch und noch so viel mehr. Wir sind auf unendlich viele Arten, unmöglich zu erfassen und wir sind manchmal, wie es kein Wort zu beschreiben mag. Darum sollten wir uns einmal fragen, warum wir uns nicht schlicht mit Folgendem begnügen: Wir sind.

Das neuzeitliche Leben ist geprägt von einer Sucht nach Identität. Es wird uns als Tugend verkauft über sich ganz genau zu wissen wie man denn eigentlich sei. Es gilt als Pluspunkt im Bewerbungsgespräch seine Stärken und Schwächen ohne langes Überlegen benennen zu können. Auf sozialen Plattformen wird um die Wette definiert, individualisiert, konstruiert. Man ist stets bemüht sich mit seiner vorgeschwebten Identität zu identifizieren, immer wieder neu festzulegen, dass man eine Künstlerin, eine Schreiberin, eine Verkäuferin, ein Automechaniker, ein Denker oder ein Eigenbrödler sei.

Wir lassen uns festlegen, reduzieren auf Begriffe und Vorstellungen, lasssen uns gefangennehmen. In der Unwissenheit darüber, dass egal wieviel wir von uns preisgeben, egal in welchem Licht wir uns fotografieren, egal für wie authentisch wir uns halten wir uns niemals in all unserer Umfassenheit zum Vorschein bringen können. Wir sind und bleiben unantastbar.

All das mag für einige klar auf der Hand liegen, sich aber für Andere unheimlich abgehoben anhören. Das ist es aber keineswegs. Diese Erkenntnis gehört mitten in unseren Alltag, denn sie befreit uns von dem Drang „uns“ hinterherzujagen. Wir können aufhören unseren Idealen gerecht werden zu wollen, uns für irgendetwas zu halten, uns von anderen für irgendetwas halten zu lassen, denn niemals hätte das etwas mit uns als Menschen zu tun. Es handelt sich lediglich um eine Behauptung unserer Identität, um eine Illusion.

Also sollten wir nicht glauben, dass uns ein anderer Mensch beleidigen könnte. Wie soll er, wenn er uns nicht in unserer Gesamtheit zu erfassen in der Lage ist? Also sollten wir nicht glauben, dass wir ungenügend seien. Wie könnte etwas Unendliches ungenügend sein?

Ich hoffe, ihr folgt mir gern in die Tiefen meiner Gedanken und stört euch nicht an diesen „Anflügen“. Dieser Blog soll keine Grenzen kennen.

Habt einen schönen Samstag,

Eure Cali

10 thoughts on “So unantastbar wie die Wahrheit sind auch wir

  1. Einer deiner besten Beiträge🙂

    Ich denke auch, man muss sich darauf besinnen, dass „wir sind“ und dass das schon Wunder genug ist. Trotzdem streben alle Menschen danach, sich zu definieren und ihre Einzigartigkeit darzustellen.

    Warum können wir uns nicht damit zufriedengeben und glücklich sein, dass wir einfach „nur“ leben?!

    Es ist anstrengend immer auf der Suche nach der eigenen Identität zu sein.

    Aber ich werde mir deine Worte ins Gedächtnis rufen, wenn ich wieder einmal darüber verzweifle, wer ich denn eigentlich bin.

    Danke!

    • Liebe Belleza, es freut mich sehr, dass dir der Beitrag gefällt. Ich hatte meine Zweifel wie ihr ihn aufnehmen würdet. Genau wie du sehe ich es auch. Es ist einfach anstrengend und sinnlos zugleich etwas nachzujagen, dass unerreichbar bleiben wird. Viele grüße an dich! Cali

  2. Da schreibst etwas Wahres und dennoch sind wir sehr verletzlich, auch wenn wir „wir“ sind.
    Täglich geschehen diese Verletzungen und das tut verdammt weh.

    Liebe Grüße zu dir und frohe Ostern.

    Mathilda🙂

    • Ja, das tut es, liebe Tilda. Aber eben diese „Erkenntnis“ soll dabei helfen sich nicht mehr oder seltener schlecht zu fühlen. Cali

  3. „Leben = Im Grunde wird uns ein fremder Hut aufgesetzt auf einen Kopf, den wir noch gar nicht haben.“ (Heimito von Doderer, 1896-1966)

    „Wir alle leben etwas anderes als wir sind.“ (Gottfried Benn,1886-1956)

    Halo Cali,

    ein toller Beitrag! Die meisten Menschen tragen leider eine Maske (oder gleich mehrere), um die Anforderungen der Außenwelt und der Gesellschaft zu erfüllen. Viele würden sich ohne ihre Masken „nackt“ fühlen. Denn unter der Maske ist das wahre Selbst verborgen.
    Bei anderen Menschen jedoch macht es doch irgendwann „klick“ und sie beginnen die Suche nach sich selbst. Nach dem, was wirklich in ihnen selbst schlummert. Ihre Masken legen sie dann irgendwann ab, denn sie brachten ihnen nicht das Leben, in dem sie langfristig Erfüllung, Glück und Zufriedenheit erfahren hätten.
    Es ist nie zu spät diese Suche zu beginnen um sein wahres Selbst und das Potenzial, das in jedem von uns steckt zu entdecken.

    „“Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben.““
    (Christian Fürchtegott Gellert, 1715-69)

    In diesem Sinne,
    liebe Grüße
    Sunelly Sims

    • Liebe Sunelly, schöne Sprüche, wahre Sprüche. Diesen Weg zu sich selbst anzutreten ohne die Hoffnung auf eine „Lösung, auf ein „Ende“ ist das Beste, was einem passieren kann. Danke für deinen Beitrag! Cali

  4. absolut richtig. wir kennen uns ja nicht mal selbst, denn das ganze leben lang entwickelt man sich weiter. man lernt immer wieder neue seiten an sich selbst kennen, lernt neues dazu, verändert sich, was wieder neue facetten zum vorschein bringt. deswegen ist das absolut richtig: wir sind.

    nein, das was andere über mich denken, das interessiert mich schon lange nicht mehr. sie kennen nur einen bruchteil von mir. und ich glaube ausnahmslos jeder mensch verstellt sich (wenn es auch im kleinen ist, z.b. wenn jemand fragt: hat’s dir geschmeckt? wie findest du meine frisur etc.. Oft sagt man positives, um den anderen nicht zu verletzen), denn es gibt regeln und normen, nach denen man sich verhalten muss – die diese gesellschaft festgelegt hat, ansonsten wird man aussortiert. gerade deshalb verhalten sich viele menschen so, wie sie oft gar nicht sind, verbiegen sich, um in vorgegebene formen zu passen, beschneiden sich selbt. und das macht oft auch krank.

    • Ganz richtig. Dabei ist auch hier, wie so oft, die viel logischere Variante, dass wir nicht lernen sollten die Unwahrheit zu sagen und Rollen gekonnt zu spielen, sondern sich durch die Meinung anderer nicht verletzten zu lassen. Denn wie bereits gesagt könnte ein negatives Statement über meine Frisur doch eigentlich nie mein Inneres erschüttern. Doch leider tut es das. Noch.😉 Schön, dass du dabei bist! Cali

  5. Liebe Cali,

    darf ich mir das mal hinter den Spiegel stecken.

    „Also sollten wir nicht glauben, dass uns ein anderer Mensch beleidigen könnte. Wie soll er, wenn er uns nicht in unserer Gesamtheit zu erfassen in der Lage ist?“

    Auf diese Idee bin ich selbst noch ne gekommen. Danke sehr.🙂

    Allen schöne Ostertage und die allerschönsten Tage überhaupt.

    Liebste Grüße von Kirstin

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