„Mach‘ dir doch nicht immer so viele Gedanken!“

Ist das ein Rat, den ich annehmen sollte? Ist das, woran ich arbeiten sollte- mir nicht so viele Gedanken zu machen?

Meine lieben Leser,

ich nerve. Die Leute in meiner Umgebung.  Zu viele Gedanken um zu „schwere Themen“.

Wie ihr sicher in den letzten Wochen bemerkt habt zweifel‘ ich. An mir und an dem, was ich tue. Während ich früher konsequent mein eigenes Ding machte und dabei störrisch übersah welchen Einfluss ich damit auf meine Umgebung hatte, bin ich jetzt wohl zu sehr darum bemüht mich mit ihr in Einklang zu bringen. Wie man’s macht…

Die Meisten haben einfach keinen Bock sich mit sich und den Dingen um sie herum auseinanderzusetzen und darum auch nicht mit mir. Sie wollen grundlos meckern, verurteilen und mutmaßen. Sie fühlen sich darin pudelwohl und suhlen sich in dem Glauben, dass diese Dinge „menschlich“ seien und zum Leben dazugehörten.

Wenn man von allen Seiten mit diesem fatalen Übermut konfrontiert wird, dann ist es unbeschreiblich schwer zu versuchen einen anderen Weg zu gehen. Ab und an glaube ich sogar wieder an diese Version des Lebens und lasse mich davon überzeugen, dass Verdrängung und Konsum das Leben schön machen. Es ist eine Zerreißprobe zu versuchen sich eine Lebensgrundlage zu schaffen, die aus Annahme dessen was „ist“ und aus der uneingeschränkten Zufriedenheit damit besteht, und in einer modernen Gesellschaft nicht als übergeschnappt oder lächerlich abgestempelt zu werden.

Es wird über mich geschmunzelt, ich werde beäugt und manche machen sogar einen Schritt zurück, wenn ich im Gespräch nicht verbergen kann, dass Facebook für mich eine Krankheit ist, dass die Eröffnung des neuen Kaufhauses mich nicht im Mindesten tangiert und dass ich versuche ein „guter“ Mensch zu werden. Nicht im Sinne von moralisch gut, sondern gut darin ein Mensch zu sein. Meinen Verstand zu benutzen und auf mein Herz zu hören.

Es kotzt mich an von anderen Menschen als zu jung für „sowas“ bezeichnet zu werden, nur weil bei ihnen der Groschen später oder gar nicht gefallen ist. Ich habe noch so viel vor mir, noch so viel zu tun, wie könnte ich also zu jung sein? Ich werde die Zeit brauchen, so viel steht fest.

Ich gebe mich nicht herablassend, ich rede stets nur von mir, wenn es um dieses Thema geht und trotzdem meint jeder sich in meiner Gegenwart rechtfertigen zu müssen. Wenn man mich um Rat bittet, dann muss man jedoch auch mit meiner Art zu antworten rechnen. Und diese wird hoffentlich noch lange sein: Sich mit sich und den Dingen geordnet zu beschäftigen ist kein Hobby- es ist eine Pflicht, für jeden, der sich seiner Verantwortung als Mensch nicht feige und faul entziehen will.

Ich soll also aufhören mir so viele Gedanken zu machen? Gerne! Sobald sich einige der Nörgler endlich die ihren machen, werde ich öfter die Beine hochlegen können ohne das Gefühl  haben zu müssen, dass eine Minute, die ich nicht diesem Zweck widme eine verschwendete Minute ist. Zu nötig hat diese kranke Welt noch jede einzelne Bemühung.

In aller Liebe,

eure Cali

15 thoughts on “„Mach‘ dir doch nicht immer so viele Gedanken!“

  1. Aufhören, dir Gedanken zu machen? Bitte nicht. Gedanken braucht die Welt und ohne Gedanken wird sich nichts ändern.
    Wenn man selbst unter seinen Gedanken leidet, sollte man vielleicht versuchen, diese Grübeleien zu lassen. Aber wie soll das funktionieren?

    • Guten Morgen Kiyachan, ich glaube, dass es nicht funktioniert. Schon gar nicht bei Leuten, denen es einfach „eigen“ ist, die interessiert sind, die es wissen wollen.

      Über etwas zu grübeln ist Arbeit, ganz klar. Und die macht wahrlich nicht immer Spaß. Ich denke also, dass sofern man sich nicht ins Unglück damit stürzt auch ein bisschen Leiden dazugehört. Es ist eben eine Leiden-schaft. Nur wenn man an einer Sache etwas leidet, weil man Widerstände überwinden muss, wird es wirklich „gut“. Ein Schriftsteller schreibt ein tolles Buch auch nicht einem Rutsch glückseeliger Momente.

      Gefährlich wird es erst dann, wenn man beginnt sich keine ruhige Sekunde mehr zu gönnen und sich verzettelt. Dann hilft nur Abstand, um den Faden wieder aufnehmen zu können.

      Hab‘ einen schönen sonnigen Tag,

      Cali

    • Liebe Mathilda, sie wollen von mir, dass ich mir nicht mehr „solche“ Gedanken mache. Gedanken machen ist zumeist anerkannt, dann aber bitte um Beauty, Lifestyle und das nächste Urlaubsziel.😉

  2. Jo, das ist doch wie beim ersten … Kind. Dazu haben die meisten auch alle eine Meiung, was man soll und was nicht.

    Zu dritt fanden wir damals recht kleinen Mädchen mal ein ausgebeultes Wäschestück auf unserem Hof. Schließlich spielten wir damit Kamel. Die größte war der Kopf, indem sie sich nur das eine Gummiband um den Hals legte. Dahinter kamen wir kleineren mit je einem Kopf unter einer Beule. So über die Wiese ziehend fand uns die ältliche Nachbarin. Es gab ein riesiges Gezeter, denn unsere Kamelverkleidung war ihr BH. Wie Perls schon sagte: „Wer die Unterhose des Nachbarn als Mütze nimmt, muss mit Erkenntnissen rechnen.“ Und weiter: „Es ist unmöglich, mit der Fackel der Erkenntnis durch eine Menschenmenge zu laufen, ohne einem den Bart zu sengen.“

    • Vielen lieben Dank! Sehr schöne Anekdote, die mich wirklich darin bestärkt am Ball zu bleiben. Viele Grüße, Cali

  3. Hallo liebe Cali,

    nerve doch einfach ruhig weiter😉 Ich weiß, es wird immer mehr „Nerver“ wie Dich geben. Und das ist oberwichtig, finde ich. Gäbe es jetzt bereits mehr oder in der Vergangenheit, würde die Welt ganz anders aussehen. Aber genau so was braucht es jetzt. In allen Bereichen der Gesellschaft. Denn wenn es eine Veränderung geben soll, kann es die meiner Meinung nach nur von innen heraus geben. Und jeder einzelne „Nerv“-Gedanke von uns allen wird dazu beitragen.

    Liebste Grüße von Nerver zu Nerver und viele Knuddels von Kirstin

  4. Hi Cali,

    Wissenschaftler haben herausgefunden, dass wir am Tag ca 60.000 Gedanken denken. Soweit so gut. Diese Wissenschaftler gehen aber auch davon aus, dass es von Tag zu Tag nur etwa 3.000 neue Gedanken sind (gelesen in „Denken Sie nciht an einen blauen Elefanten“ von Thorsten Havener). Insofern lohnt es sich sicher mal zu schauen, welche 3000 Gedanken ich jeden Tag austausche … sonst denke ich womöglich ein ganzes Jahr jeden Tag die gleichen 57000 Gedanken, und tausche immer nur die selben 3000 Gedanken aus … nicht besonders kreativ, oder?

    An anderer Stelle (bei Katie Byron) hab ich mal gelesen, dass man sich fragen sollte: Denke ich eigentlich, oder werde ich gedacht? … Und es wird der Vergleich mit der Atmung nahe gelegt. Letztlich ist ja auch der Gedanke „heute denke ich mal nicht“ schon ein Gedanke … welcher sich damit postwendend selbst ad absurdum führt.

    Irgendwo gab es auch mal das Bild, dass wir in einem Meer von Gedanken treiben: Die Gedanken rauschen vorbei, und wenn wir einfach nur sind – bewusst sind – können wir sie alle beobachten.
    -> Setzen wir einzelnen Gedanken Widerstand entgegen, so bleiben diese Gedanken an uns hängen, und wir verfangen uns darin.
    -> Sind wir zu konzentriert / fokussiert statt einfach nur aufmerksam / achtsam, so engt sich unser Blickwinkel ein, und wir bemerken wichtige neue Gedanken nicht.

    Naja, soviel mal meine Gedanken zum Thema „Gedanken machen“.

    Du schreibst: „ich nerve. Die Leute in meiner Umgebung.“ Das ist so goldig! Was glaubst Du, was ich schon ’ne ganze Zeit lang mache? Aber: Ist es wirklich so, dass ich nerve? Oder fühlen sich die Leute genervt? Ich stelle doch lediglich Fragen, oder artikuliere gewagte Thesen. Was daraus in der Wahrnehmung der Leute wird, ist doch deren Problem, oder? Wenn die dann sagen: „Du nervst!“, dann leugnen sie ihre Verantwortung für ihre Gefühle, für ihre ganz persönliche Wahrnehmung … und sehen in Dir die Ursache ihres genervt seins – statt lediglich den Auslöser (die Ursache steckt immer in ihnen selbst).

    Deinen Äußerungen entnehme ich, dass Du nach wie vor einen gewissen Wert darauf legst, was andere / die Gesellschaft von Dir denkt / denken. Hast Du Dich schon mal gefragt, warum das so ist? Die Gesellschaft ist hochgradig krank. Du entziehst Dich dieser Krankheit. Das führt automatisch zu einem gewissen Ausschluss aus dieser kranken Gesellschaft. Solang Du noch Teil dieser kranken Gesellschaft sein möchtest, wirst Du zu diesem Teil auch krank bleiben. So bemerkte auch Jiddu Krishnamurti: „Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein.“

    Und das wirft irgendwann die Frage auf: Warum möchte ich von der Gesellschaft anerkannt sein – geachtet werden …. Und wenn Du da genau hinschaust, wirst Du sehr viel über Dich selbst lernen. All die Muster, die dabei hochkommen, kannst Du dann natürlich auch auflösen … es sind die Muster, aus denen Dein Ego konstruiert ist.

    Alles Liebe,
    Ralph

    • Mensch, Ralph, wieviel du immer schreibst. Das ist ja Wahnsinn.😀

      Klar, buhle ich nach wie vor um Anerkennung. Es ist nicht angenehm ausgeschlossen zu werden und noch kann ich nicht einfach darüber stehen. Ich kann so tun als ob, aber eigentlich tut es mir weh.

      Ich vertraue ganz einfach nicht in mich, irgendwo in mir ist immer der Zweifel, ob ich es nicht doch wie die anderen tun sollte. Ob ich nicht falsch liege, ob ich mir Luftschlösser baue, ob mein Weg nicht eine Sackgasse sein wird.

      Deine Worte sind sehr hilfreich, ich danke dir.

      Cali

    • Hi Cali,

      Du schreibst: Es ist nicht angenehm ausgeschlossen zu werden
      Die Frage ist jetzt, ob Du darauf reagierst – ob Du eine Kompensationsreaktion startest, um dieses unangenehme Gefühl zu neutralisieren; oder ob Du das Gefühl einfach zulässt, auch den Schmerz, der damit verbunden ist – und schaust, was dieses unangeheme Gefühl Dir zu sagen hat. Und das funktioniert erst, wenn Du den Verstand, der ständig schreit „ich will das nicht“ mal einfach schreien lässt.

      Ich kenne diesen Selbstzweifel, von dem Du sprichst. Er entsteht, wenn ich mir selbst nicht genug bin, sondern meine, erst dann voll und rund zu sein, wenn ich von dem oder den anderen etwas bekomme.

      Ich habe zwischenzeitlich für mich erkannt: Je schmerzlicher es ist, um so sicherer kann ich sein, dass ich „auf dem richtigen Weg“ bin. Die Frage ist ja nicht, ob es schmerzt – die Frage ist, ob ich darunter leide. Und Leid entsteht erst, wenn ich denke, dass es nicht schmerzen sollte; wenn also meine Gedanken im Widerspruch zur Realität stehen. Der einzige Weg da raus ist die Hingabe – die Hingabe an das, was ist. Und das heißt ja nicht, dass ich diesen Zustand länger als notwendig aufrecht erhalte – aber wenn ich das annehme, was ist, dann handle ich nicht mehr länger aus dem Zustand des Mangels heraus, sondern aus dem Zustand der Fülle.

      Und glaube jetzt nur nicht ob meiner ’schlauen Worte‘, dass mir das immer gelingen würde … mir fällt die Liedzeile „Von Selbstzweifeln zerfressen“ aus dem Lied „Bist du taub“ von Herbert Grönemeyer ein, daher hier ein Link dazu:

      Genau darum geht es: Dieses innerliche Zerreißen, die Zerstörung … ja wovon? Von mir? Wohl eher von dem, was ich nicht bin. Dies alles zulassen, ohne es weiterhin auf den oder die anderen zu projizieren. Man spricht da wohl auch von Phönixkrise … sterben, um zu leben …

      Wie Uesugi Kenshin so treffend bemerkte: „Schaut in euer Herz, und ihr werdet erfahren, dass in euch etwas lebt, das kein Feuer verbrennen und kein Meer ertränken kann“

      Alles Liebe,
      Ralph

  5. Liebe Cali,

    ich finde es schön, dass Du Dir Gedanken über Dich, Gott und Welt machst. Du wirst immer wieder auf Menschen treffen, denen dies unheimlich ist. Wenn sie Dich kritisieren hat das auch etwas damit zu tun. Versuche einfach zu Dir selbst zu stehen, Dir selbst treu zu sein und stehe dann über den Dingen. Vielleicht solltest Du in Zukunft die Menschen anders auswählen, mit denen Du Deine Gedanken teilst? Nicht jeder ist dafür geeignet und nicht jeder hat Lust auf tiefgreifende Gespräche. MIt einigen geht besser „Blabla“. Doch diese Menschen haben auch ein Recht darauf sich keine Gedanken zu mache. Nimm es einfach so hin. Du machst es schon richtig!😉

    LG Susanne

    • Liebe Susanne, ich wünschte nur so sehr es wäre normaler. Und ich finde nicht, dass es ein Recht darauf gibt sich keine Gedanken zu machen, es sei denn man schadet damit Niemandem. Aber die Unterlassung führt bei den allermeisten eben doch dazu, dass sie Dinge in die Welt transportieren, die diese nicht besser machen. Und das kann ich nicht verzeihen. Noch nicht, ich arbeite daran. Danke für deine lieben Zeilen! Cali

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