Dreht sich die Welt viel zu schnell, hilft nur abspringen

Meine lieben Leser,

diejenigen, die arbeiten, arbeiten zu viel und zu lange. Kennt ihr es, dass ihr gedanklich ständig Häkchen auf eurer imaginären To-Do-Liste setzt, während ihr vor eurem geistigen Auge schon für die nächste Hürde Anlauf nehmt? Man hastet von Ort zu Ort, von Aufgabe zu Aufgabe, nebenbei will man auch noch ein erfülltes Leben führen, sozialen Kontakten gerecht werden und Abends ohne Tüte kochen. Die Fenster müssen schon lange geputzt werden und der TÜV ist schon wieder abgelaufen? Sind schon wieder zwei Jahre um? Wo sind die denn geblieben? Die Zeit vergeht einfach zu schnell.

Falsch. Wir leben zu schnell. Nämlich immer einen Schritt hinter dem Jetzt- im Gleich, im Morgen und in der nächsten Woche. Quasi rennen wir unserem Leben voraus. Kein Wunder, dass wir es verpassen und dabei völlig übersehen, dass es Frühling geworden ist und der Himmel wunderschön blau leuchtet.

Baustellen, Briefe, Busse, Handys, Flughäfen, Vorgesetzte, Wecker- all das peitscht uns durch den Alltag, wie ein Dompteur die Pferde durch die Manege. Immer im Kreis, weiter im Kreis und noch eine Runde. Nicht langsamer dürfen wir werden, sondern schneller und dabei bitte noch eine gute Figur machen, sich nicht beschweren und nicht vergessen, wo man losgerannt ist.

Es geht uns vermutlich allen gleich, darum bringt es nichts uns auch noch in unserem letzten bisschen Freizeit unaufhörlich über die Zustände einer globalisierten Hightechwelt zu mokieren. Ihr verdanken wir unseren Wohlstand. Weniger Geld, weniger Luxus, mehr Ruhe, mehr Zeit, Frieden.

Also machen wir unser Telefon öfter aus, rennen dem Bus nicht nach, wenn es nicht unbedingt sein muss, schlafen länger und schminken uns weniger. Wir sollten Überstunden nicht aus blindem Pflichtbewusstsein als Selbstverständlichkeit deklarieren, sondern unserem Arbeitsgeber Grenzen setzen. Das geht nicht? Und ob! Es ist unser Recht und Unrecht an allen Arbeitnehmern, wenn wir das mit uns machen lassen. Wenn einer damit anfängt, sind alle anderen im Zugzwang, doch wo soll der enden?

Mit Burnout, Depression und einem verlorenen Leben? Sicher nicht. Abspringen ist angesagt: Lieber Herr Twitter, halt‘ die Klappe, liebe Erkältung, ich kuriere dich mal richtig aus, liebe Welt, ohne mich. Ich wage den Sprung und rolle ganz sanft in mein eigenes Tempo.

In aller Liebe,

Eure Cali

7 thoughts on “Dreht sich die Welt viel zu schnell, hilft nur abspringen

  1. Hallo liebe Cali,

    ja, das ist das, was wir im Moment alle lernen sollten und dürfen. Endlich mal halblang – oder vielleicht gar nicht mehr machen. Wer hat uns bislang immer erzählt, daß wir dies oder jenes tun müßten? Und vor allem – warum sollten wir das tun. Hinterfragt man dies, kommt meist ganz schnell heraus, daß wir es nur taten, weil wir befürchteten, etwas anderes, viel schlimmeres würde geschehen, wenn wir mal fünfe grade sein lassen. Also Angst und Mangeldenken. Üben wir doch mal in „harmlosen“ Kleinigkeiten, einiges einfach mal zu lassen, von dem wir vorher dachten, es sei soooo notwendig. Muß ja keiner mitkriegen. Und freuen wir uns auf das Ergebnis, mit dem wir ganz sicher so nicht gerechnet hätten.

    Liebe Grüße von Kirstin

    • Liebe Kirstin, so ist es. Man muss es schaffen seine üblichen Denkweisen zu durchbrechen und jene Dinge zu enttarnen, die Ballast sind. Das ist schwer, denn man sieht oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. Aber Schritt für Schritt wird man freier. Viele liebe Grüße an dich du fleißige Kommentartorin, Cali

  2. Hallo,

    ich bin zum ersten mal auf dieser Seite und ich muss sagen, dieser Beitrag beeindruckt mich sehr. Ich selbst habe zu einem ähnlichen Thema schon in meinem Blog geschrieben. Die Krankheiten rund um den Burn-Out und der Psyche nehmen immer mehr zu und das liegt an der stressigen Welt. Es liegt nicht unbedingt an den Menschen, sondern eher am Druck der Gesellschaft, was man erreichen sollte. Die Zufriedenheit mit kleinen Dingen ist dabei nicht mehr vorhanden, sondern man denkt immer weiter und schneller und höher.
    Manchmal ist es aber auch ein ganz anderer Grund: Es ist dann weder Angst noch Mangeldenken noch Druck von der Gesellschaft, Statussysmbole besitzen zu müssen. Manche müssen den Stress einfach aushalten, um überleben zu können, um Miete und Essen zu bezahlen. Dies ist aber nicht in Ordnung. Da kann aber die Gesellschaft etwas dagegen unternehmen, indem sie ersten Arbeitsplätze schafft und zweitens die Arbeiter auch gut genug bezahlt.

    Liebe Grüße

    Monika

    • Liebe Monika, es freut mich, dass du etwas mit dem Beitrag anfangen kannst, Du hast ganz Recht. Es gibt Menschen, die müssen dieses ganze Theater einfach mitmachen- mehrere Jobs, Kinder etc. Und davon gibt es nicht wenige, ich weiß. Natürlich muss dort von staatlicher Seite etwas passieren, aber bis das soweit ist muss man selbst Wege finden bei sich selbst bleiben zu können, das Ganze durchzuhalten. Und dessen darf man nie müde werden. Vielen Dank für deinen Beitrag und hab‘ ein schönes stressfreies Wochenende, Cali

    • Ja leider ist das wahr. Da müsste der Staat etwas tun, aber das wird bestimmt noch lange dauern oder nie kommen. Der Streit um das Betreuungsgeld, um hier als Beispiel zu nehmen ist eine Farce. So wenig Geld kann nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein.

      Liebe Grüße
      Monika

    • Du hast auch einen wahnsinnig umfangreichen und interessanten Blog! Ich wollte die folgen, geht aber nicht, weil du nicht bei WordPress bist, was?

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