Sie wollen mich abhören? Ja, gerne. Nett, dass Sie fragen.

Meine lieben Leser,

lange habe ich mich gewehrt und ich hätte dabei bleiben sollen. Ja, ganz recht. Hier kommt noch ein kritischer Beitrag zur für manche Leute nur scheinbar fortschreitenden Überwachung und zu Technologie, die keine Sau braucht. Warum auch nicht? Solange die sich wagen mich so etwas zu fragen ist der letzte Beitrag zu diesem Thema noch nicht geschrieben.

Voll praktisch sind diese Smartphones. Und schick erst in der superindividuellen Hülle aus krebserregendem Chinakunststoff. Mit Glitzersteinchen oder edel im azurblauen Ledertäschchen sind sie das „Must-Have“ unserer Zeit. Immer online, immer erreichbar, nichts wissen, alles googeln, nicht gleich, sofort. Das ist doch toll.  Ja, das ist es, aber zu welchem Preis?

„Niemand, Kind, schenkt dir etwas!“, sagte Mami und behält recht. Vokabeltrainer, Wasserwaage und Trendspiel sind eben keine frommen Gaben, sondern Bestechung. Der vollständige Internetzugriff, Kenntnis der aus- und eingehenden Anrufe, inklusive Nummern und Internetsockets- auf deutsch-das Abhören und Sammeln von individualisierten Daten im großen Stil kostet uns das kurzlebige Freizeitvergnügen. Wir haben ja aber nichts zu verbergen. Ist doch nur fair. Helft mir bitte nochmal auf die Sprünge, warum regen wir uns etliche Jahre danach über die Sammelwut der STASI und über den schwankenden Vorhang hinter Nachbars Fenster auf, wenn wir nachts nach Hause kommen? Ach so, die haben dafür keine bunten Bonbons im Briefkasten hinterlassen.

Auf den Grund des Sees gehören die Dinger. Mit dem Gedanken habe ich gespielt. Nee, ich bin zu schwach dem Reiz des Spielerkins zu entsagen. Meine Ortung für den – räusper-  Wetterdienst zu verbieten, das Herunterladen sogenannter Spionageapps zu vermeiden und die Undercoverfunktion zum Surfen zu nutzen müssen reichen. Ich bin wohl klassisch ins Netz gegangen. Wenn ich mir jetzt noch ’nen Facebookaccount anschaffe, dann kann ich nur noch als schlechtes Beispiel dienen.

Immerhin behaupte ich nicht, dass doch nichts dabei wäre. Gut, als Frechheit kann man es nicht bezeichnen, wird der Nutzer in den meisten Fällen um seine Zustimmung gebeten. Über die Bereitwilligkeit hierzu lässt sich allerdings zurecht nur der Kopf schütteln. Es ist eine Farce, denke ich, und lasse meinen Blick über die Weiten des Sees schweifen.

Eure Cali

15 thoughts on “Sie wollen mich abhören? Ja, gerne. Nett, dass Sie fragen.

  1. Hallo Cali,

    ja diese Smartpones und ständige Aktualität grenzt an das Unermessliche. Die Werbeindustrie trägt ihres dazu bei. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, was für Informationen sie damit weiter geben. Wenn sie unterwegs im Laptop oder im Smartphone die E-Mails abrufen, so ist durch das mobile Internet der Zugang zum E-Mail-Postfach deutlich weniger geschützt, da das Netz ja für alle offen ist.
    Alle Cookies und gespeicherten Informationen dienen dazu, Geschäft zu machen, in welcher Weise auch immer.
    Dies hat auch noch weiter Schattenseiten, denn die Menschen erleben dadurch mehr Stress und die Welt wird immer hektischer. Wer nicht mehr online ist, den gibt es nicht mehr. Genau da setzen die psychischen Krankheiten an, die rasant steigen.

    • Liebe Monika, das hast du sehr treffend beschrieben. So ist es. Man kann für sich versuchen Konsequenzen zu ziehen, aber wie ich versucht habe deutlich zu machen, ist das leichter gesagt als getan. Vielen Dank für deinen Beitrag! Cali

    • Ja, Ihr habt recht. Das liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen. Jeder soll und muss für sich selber entscheiden, wie viel Bequemlichkeit ihm die Gesundheit wert ist. Ganz auf die neue Technik sollte man nicht verzichten. Aber 24/7-Erreichbarkeit und Medienkonsum kann nicht gut für Körper und Geist sein.

  2. Noch komme ich ganz gut durch den Tag, ohne ständig meine Mails checken zu müssen, ohne ständig nach den besten Busverbindungen zu suchen, ohne unterwegs Nachrichtenseiten abzurufen. Noch.😉

    • Warte’s ab! Bis mein altes Handy den Geist aufgegeben hat kannte ich solche Dinge auch nicht, und nun nutze ich es doch ab und an unterwegs Mails und das Wetter für’s Wochenende zu checken. Obwohl ich noch!😉 ohne könnte. Viele Grüße und schöne Woche!

  3. So sind wir doch Getriebene immer neuer Techniken, wir sehen den persönlichen Nutzen und bedenken die vielen Gefahren nicht. Ich kenne das auch, weiß manches und mag doch nicht auf diese Errungenschaften verzichten….
    LG von Rana

  4. Ich will dir ja nicht zu nahe treten, aber kann es sein, dass dein Technikpessimismus einfach nur aus Unwissenheit resultiert? In dem auf dem Bild abgebildeten Text steht beispielsweise auch nicht nur ein Wort davon, dass die abgefragten Daten von der Anwendung in irgendeiner Form an irgendjemanden gesendet werden.
    Mal ehrlich: Ein gesundes Misstrauen ist ja ok. Man sollte wirklich aufpassen, dass man nicht willkürlich Daten an irgendwelche unseriösen Anbieter preisgibt. Auch „Datenkraken“ wie Facebook oder Google sollte man eher mit Vorsicht genießen. Aber solch eine Paranoia, wie sie viele Menschen mittlerweile vor dieser „verteufelten neuen Technik“ haben (wer soll es ihnen verübeln, die Medien vermitteln ja genau dieses verzerrte Bild) führt letztendlich nur dazu, dass Leute die dazu in der Lage sind bewusst die modernen Möglichkeiten zu nutzen plötzlich wie naive Vollpfosten wirken.
    Es ist das alte Problem: Man fürchtet sich vor dem Unbekannten. Bei genauerer Betrachtung ist aber alles halb so wild😉

    • Lieber alezyn, auf dem Bildschirm steht, dass die App, also die Anwendung, die ein Vokabeltrainer ist zum Beispiel wissen möchte, mit welcher Nummer ich verbunden bin. Es ist doch wohl keine Frage, dass diese Information, um nutzbar zu sein, irgendwo hin gesendet werden muss, oder? Aus welchem Grund interessiert sich sonst ein Vokabeltrainer für meine Anrufaktivität?

      Wenn du mir das erklären könntest, bitte tu es. Ich bin nicht gern misstrauisch, aber lieber als getäuscht.😉

      Weiterhin muss es mir als Nutzer auf einen Blick nachvollziehbar sein, was mit meinen Daten passiert. Ich muss mir nicht erst „Wissen“ darüber aneignen, um ruhig schlafen zu können. Meine Augen sehen diesen Hinweis, er erschließt sich mir nicht mit normalem Menschenverstand, ich kritisiere diese Erscheinung.

      Viele Grüße an dich, Cali

    • Nun gut, ich wusste nicht dass es sich dabei um einen Vokabeltrainer handelt. Da machen die von der Anwendung geforderten Daten tatsächlich wenig Sinn und dein Misstrauen ist vollkommen gerechtfertigt. Vielleicht gibt es ja Alternativen, die nicht so gierig auf dein Telefonverhalten schielen?
      Auch das mit der Nachvollziehbarkeit ist ein wichtiger Punkt, auch wenn du ja selbst gesagt hast, dass die Anwendungen den Benutzer wenigstens informieren, bevor sie seine Daten verwenden. Trotzdem gibt es hier deutliches Verbesserungspotential. Viele Anbieter verstecken diese Informationen gerne mal ein wenig.
      Tut mir leid, da habe ich dich wohl ein wenig falsch eingeschätzt. Dein Beitrag wirkt auf mich eben einfach zu pauschalisierend. Letztlich ist es aber eben auch „nur“ ein Subjektiv gehaltener Blogeintrag und kein Zeitungsartikel…
      Einen schönen Tag wünsche ich dir noch😉

    • Hallo alezyn,

      ich gebe da calichino recht. Bei dem Vokabletrainer ist es doch nicht notwendig, dass er wissen muss, mit welcher Nummer man verbunden ist. ZUdem gibt es zahlreiuche Apps, die Daten abfragen, von denen wir gar nciht wissen, dass sie sie abfragen. Diese fragen nicht lange, sondern machen es einfach.
      Man sollte natürlich die modernen Möglichkeiten nutzen, sich aber immer bewusst sein, was man dafür preis gibt.
      Einen guten Morgen euch allen.

    • Schön, dass wir uns verständigt haben, alezyn. Natürlich ist all das hier total subjektiv und hätte niemals den Anspruch eines Zeitungsartikels. Die Recherche geht ja selten über eigene Erfahrungswerte hinaus. Den wünsche ich dir auch, vielleicht auf ein Wieder-Schreiben! Cali

  5. Ich besitze kein IPhone. Ich will nicht überall im Netz surfen. Ich sehe was diese Dinger aus dem Menschen machen. Sie starren nur noch auf das Handy und nehmen nichts anderes mehr wahr. Mir reicht ein Telefon mit Sms-Funktion….und wenn mir langweilig ist, lese ich ein gutes Buch🙂

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s