1+1=1

Meine lieben Leser,

Herr Gott nochmal. Ist es denn so schwer zu begreifen? Erst gestern musste ich unfreiwillig Zeugin eines dieser Kleinkriege werden, wie sie Groß und Klein unsere Erde belasten.

Eine Banalität, wie das versehentliche Treten auf den Fuß des Anderen, wurde zu einem tages-, wenn nicht wochenbestimmenden Konflikt. Unnachgiebigkeit auf beiden Seiten, Egozentrik bis in die letzte Körperzelle und unerschütterliche Sturheit waren tiefenresistent gegen jeden Schlichtungsversuch von außen.

Mit größter Mühe habe ich versucht die Schönheit des Tages und die Nichtigkeit des Streitgegenstandes zwischen die beiden Kontrahenten zu schieben und sie zu gegenseitigem Ablassen zu bewegen. Keine Chance.

Doch zu welchem Preis? In der Hoffnung Recht zu bekommen und den anderen mundtot zu machen waren beide Parteien bereit sich und anderen, selbst ihren Kindern,  Leid und Unruhe anzutun statt zu begreifen, dass das gemeinsame Ziel Friede gewesen wäre.

Eine einfache Entschuldigung, ein wohlgesonnener Blick in die Augen und die Bereitschaft den anderen zu verstehen hätten Berge bewegen können. Sie hätten ein gutes Beispiel für die Umstehenden sein können. Hätte, Wollte, Könnte.

Wir alle wollen das Gleiche. Wir sind in unserem Wesen eins, auch wenn es sich manches Mal so anders anfühlt. Sich darauf zu besinnen tut unheimlich gut. Wir haben gelernt, dass 1+1=2 ist, wer aber mit dem Herzen denkt begreift: 1+1=1

In Liebe,

Eure Cali

12 thoughts on “1+1=1

    • Ja, das tun sie. Aber man kann sie überwinden, indem man beharrlich daran arbeitet. Man darf nicht zu viel auf einmal verlangen. Disziplin ist auch hier unerlässlich!

  1. Die Winkelzüge, um auch im Unrecht Recht zu behalten, beschrieb schon Schopenhauer mit der eristischen Dialektik und auch ein Mittel dagegen: „Die einzig sichere Gegenregel ist daher die, welche schon Aristoteles im letzten Kapitel der Topica gibt: Nicht mit dem Ersten dem Besten zu disputieren, sondern allein mit solchen, die man kennt und von denen man weiß, dass sie Verstand genug besitzen, nicht gar zu Absurdes vorzubringen und dadurch beschämt werden zu müssen, und um mit Gründen zu disputieren und nicht mit Machtsprüchen, um auf Gründe zu hören und darauf einzugehen und endlich, dass sie die Wahrheit schätzen, gute Gründe gern hören, auch aus dem Munde des Gegners und Billigkeit genug haben, es ertragen zu können, Unrecht zu behalten, wenn die Wahrheit auf der anderen Seite liegt. Daraus folgt, dass unter Hundert kaum Einer ist, der wert ist, dass man mit ihm disputiert.“ Quelle: Wikipedia, Eristische Dialektik
    Dir einen schönen Sonntag, liebe Cali.

    • Oh, vielen, vielen Dank für dieses Zitat. Das ist ganz und gar richtig. Das schließt nämlich auch ein, dass nicht immer der Klügere nachgeben sollte, wenn es sich zu disputieren lohnt. Plötzlich wird das Festhalten zur Pflicht. Dir einen nun mehr schönen Abend!

  2. Liebe Cali,

    1+1=1 – ganz klasse find ich das ausgedrückt. Ich finds sehr interessant. Von allen Seiten hör ich, daß es gestern Konflikte gab. Wir selbst waren auch mittendrin im schönsten Nachbarschaftskonflikt. Und ich selbst hab so kräftig mitgemacht (geschimpft wie ein Waschweib😉 ) Hinterher tat mir selbst alles weh. Und mir tat es so leid, was ich dem Nachbarn alles an den Kopf geworfen hab. Hab bei mir geschaut, wie es überhaupt von meiner Seite aus so weit kommen konnte. Was für Knöpfe wurden da bei mir gedrückt. Hoffe, ich hab es für mich aufgeklärt, man wird sehen.
    Aber ich hab echt gemerkt gestern, was ich einem anderen antue, das tu ich mr selbst an. Bis heute morgen hielt diese Traurigkeit an.

    Liebe Grüße von Kirstin

    • Das ist ja ein Ding. Ja, wir haben uns gestern auch gefragt, ob etwas in der Luft liegt. Hm. Ich finde es toll, dass du dich mit deinem Verhalten auseinandergesetzt hast! Nächstes Mal erinnerst du dich daran oder du nutzt schon den nächsten Kontakt mit deinen Nachbarn für einen Schritt auf sie zu!

    • Na ja, wie sonst sollte ich sowas betrachten? Dieser Streit hätte doch gar nicht entstehen können, wenn ich nicht etwas in mir gehabt hätte, eine Resonanz zu seinem Verhalten. Was der andere tut oder nicht tut, ist ja erstmal zweitrangig. Es ist ja immer nur ein Auslöser. Wenn in mir selbst alles in Ordnung ist, dann werde ich auch nicht mehr reagieren.

      Früher hab ich permanent das Schwert in der Tasche gehabt. Seit ich eine andere Einstellung hab, verzweifel ich längst nicht mehr so oft am Leben. Lach – das hat mich nun aber gestern alles trotzdem nicht davon abgehalten, verbal voll draufzuhauen – leider.

      Es war einfach der alte Schmerz, das kleine Mädchen in mir, das angenommen werden wollte. Die kleine, die schon früher so mit Ohnmacht und Hilflosigkeit konfrontiert wurde. Und die hat gestern mal wieder einfach nur um sich gehauen. Ok, der andere hat sich ja auch entsprechend benommen, er hat ja Grenzüberschreitung begangen. Aber das ist sein Problem, das ist seine Verantwortung. Ich hätte nicht derart drauf reagieren müssen. Das ist meine Verantwortung. Andere müssen sich selbst ändern, wenn sie es wollen. Aber ich kann mich ändern – und ich will!

      Und letztendlich hat der Nachbar mir ja nur einen Gefallen getan, daß er mir gezeigt hat, was an Schmerz noch da ist.

    • Diese Erklärung für Konflikte kenne ich erst seitdem ich hier auf WordPress bin und auf dem Neue Erde -Blog lese. Für viele Konflikte mag es zutreffen, dass wir allein der Konflikt sind und der andere nur ein Spiegel, sowie dass wir ihm dankbar für die Reflexion sein sollten. An anderer Stelle verstehe ich diese Erklärung aber nicht.

      Manche Menschen tun durchaus Dinge, die mir vollkommen fremd sind und die mich trotzdem stören. Mein Anreiz zu Frieden ist dann viel eher, dass ich noch nie einen Konflikt beobachtet habe, dessen Lösung Wut, Angriff, Ablehnung und andere Schlechtigkeiten waren.

      „und ich will!“ Das ist so ein wichtiger Satz, denn ohne den Willen zur Veränderung wird es keine geben. Jeder, der sich dazu entschließt ist ein Held.

  3. Liebe Cali, ich geb Dir da völlig recht. „Ich will … “ ist superwichtig. Und klar gibt es so viele Dinge, die andere tun oder lassen, die mich auch ank… aber weißt, es geht ja nicht darum, daß ich etwas gut finden oder hinnehmen muß oder soll. Nein, ich mach durchaus meinen Mund auf. Mir geht es darum, dieses ewige Kämpfen wollen gegen Windmühlen endlich sein lassen zu können.

    Mein Nachbar z.B. hat gestern eindeutig Mist gebaut und Grenzen übertreten. Das benenn ich auch. Aber ich laß mich dadurch nicht mehr fertig machen … lach – versuch ich wenigstens.;)

    • Genau wie es GG geschrieben hat- das Kämpfen gegen Windmühlen ist fehlgeleitete Kraft. Diese sollten wir viel eher in unsere eigene positive Entwicklung stecken, von der jeder Mitmensch etwas haben wird.

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