Wer an Sarrazin glaubt, der und nur der schafft Deutschland ab

Oh, ich bin so wütend. Die Idiotie dieser Gesellschaft bringt mich noch ins Grab.

„Und wissen Sie, was ich finde: Der hat Recht! Ja, Sarrazin hat Recht! Und wie die seine Frau danach fertig gemacht haben. Eine Schande. Da sagt mal einer die Wahrheit…und dann das. Aber ich sag‘ ihnen, der hat Recht.“ Ich kotz‘ gleich. Nichts hat sich geändert, nichts. Es könnte jeder Zeit wieder passieren. Lange wollte ich es nicht wahrhaben, aber Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung Schwächerer, auf die man sich auch noch ‚was einbildet, wohnen mitten in unserer Gesellschaft.

Die schicke C & A-Verkäuferin und die Kundin fortgeschrittenen Alters tuscheln ganz ehrerbietig, als ob sie die wahren Widerstandkämpfer wären, gegen ein System, in dem für Polemiker wie Sarrazin kein Platz ist. Mit einem Hauch von Geheimnis und Verschwörung flüstern sie sich hinter den reduzierten Chinablusen in widerlich selbstgefällige Rage und fühlen sie so unheimlich gut dabei. Ist doch wahr! Dummheit ist vererbbar und damit auch der Hartz-4-Status. Und dann machen die auch noch die meisten Kinder, hat Sarrazin doch so wissenschaftlich bewiesen.
Wie scheiße dumm muss man sein, um dieser Ausgeburt des Schwachsinn auf den Leim zu gehen, nur um sich seine eigene mittelmäßige Existenz bei C & A hinter der Kasse schön zu reden. Nach Sarrazins Theorie der Vererbbarkeit von sozialem Status, war demnach wohl schon Mutti Bekleidungsfachhandelsangestellte. Hat wohl genetisch nicht zu mehr gereicht? Oder hört da die Theorie auf? Böse Cali, sowas in den Mund zu nehmen.

Dieser Gesellschaft ist nicht mehr zu helfen. Sie will das Opium für’s Volk, sie will belogen und betrogen werden, sie will es einfach und billig, sie findet ja auch Geiz unheimlich geil. Wir werden kriegen, was wir verdient haben und dann weinen wieder alle und wollen es beim nächsten Mal besser machen. Hoffentlich muss ich das nur ein Leben lang ertragen. Ich bin ein Mensch und schäme mich für nichts so sehr, wie für diese Angehörigkeit. Zur Hölle mit dem Menschen.

15 thoughts on “Wer an Sarrazin glaubt, der und nur der schafft Deutschland ab

  1. Es ist sehr häufig so, dass Kinder später denselben Status einnehmen, wie die Eltern. Früher wurde man in einen Stand geboren, aus dem man nicht heraus kam. Heute kann man es THEORETISCH, aber in Wirklichkeit herrscht noch immer dieses Standsystem, aus dem nur wenige ausbrechen. Wusstest du übrigens, dass die meisten Stipendien an Schüler und Studenten vergeben werden, die reiche Eltern haben? Die Schicht bleibt unter sich. Ein sehr interessantes Buch, das ich dazu gelesen habe, war „Hurra, wir dürfen zahlen – der Selbsbetrug der Mittelschicht“.

    Sarrazin hatte ohne Frage schwachsinnige, hirnverbrannte Entgleisungen, für die es keine Entschuldigung gibt. Aber er hat eine Debatte los getreten. Deutschland schafft sich in gewisser Weise schon ab. Das liegt allerdings nicht an Genen oder Migranten, sondern am deutschen System.

    • Liebes Gedankenfest, ja, das Ständesystem zeichnet sich noch immer ab und warum? Weil die Gesellschaft es nicht leisten kann sozial Schwache, die oft nicht in der Lage sind ein geregeltes Leben aufgrund eigener Altlasten zu führen zurück in die gesellschaftliche Mitte zu holen. Und um das nicht zu können, dazu muss man nicht blöd sein. Sich den Normen und Werten der Gesellschaft anzupassen ist eines, klug sein etwas anderes. Ich selbst kenne einige Exemplare, die uns in Sachen Intelligenz in die Tasche stecken würden und trotzdem krepeln sie am gesellschaftlichen Rand rum und niemand würde sie als intellektuell bezeichnen.

      Ja, ich weiß, dass gerade in Bayern das Einkommen der Eltern Auswirkungen auf den BIldungsweg der Kinder hat. Ich kann es nur aus der Sicht Berlins bewerten. Hier kann ein jeder studieren, der das Zeug dazu und dieses Ziel hat und verfolgt. Aber diesen Anspruch haben sozial schwache Elternteile für ihre Kinder eben nicht oft und darum kommt es nicht so weit.

      Was könnte man da tun? Zum Beispiel territoriale Ausgrenzung aufgrund zunehmender Luxussanierung und MIeterhöhungen im Stadtinneren zu verhindern, psychologische Hilfestellung bieten, aufklären, die Lebensbedingungen von Kindern viel stärker kontrollieren und sich mit dem „Pack“ mal abgeben. Ihnen Wertschätzung entgegenbringen und Verständnis zeigen. Nicht für jeden „Pipi“-Job ein Abitur verlangen und diesen Job dann angemessen bezahlen. Jugendclubs nicht einen nach dem anderen einstampfen und Alkohol, wie auch Zigaretten zum Luxus verteuern. Aber daran haben gewisse Lobbys wohl kein Interesse, das ist wichtiger als soziale Gleichberechtigung. Der Fisch stinkt vom Kopfe her.

      LG Cali

      P.S.: Ich frage mich, warum gerade die so auf Sarrazin abgehen, denen es noch am besten geht. Das deutsche System hat viele Defizite, aber nichts wird so gern auch mal vom „einfachen“ Menschen diskutiert, wie Schuldzuweisungen an andere und die bösen Ausländer. Korrupte Vorstände, Gift in Lebensmitteln und Kosmetika, Energiesparlampen…ach, alles Verschwörungstheorien, wen kümmert’s? Aber die Ausländer und Assozialen, die sind wirklich schlimm. Vielleicht treibt sie die Angst ihre Hintern eines Tages nicht mehr so weich betten zu können, während sie sich fett Sonnencreme ins Gesicht schmieren und die Bild auf ihrer neuen Sonnenterasse genießen.

  2. Heute jährt sich ja der Brandanschlag von Rostock Lichtenhagen, da versuchen ja auch viele, den Mantel des Schweigens drüber zu decken.
    Aber, Cali, man darf nicht vergessen, es gibt auch Menschen, die der Entsolidarisierung der Gesellschaft mit vielen tollen Priojekten entgegentreten. Die Gesellschaft – das sind auch wir!
    LG von Rana

    • Das ist wirklich ein aufmunternder Kommentar, denn ich weiß ja auch, dass es genügend Gegenbeispiele gibt. Mir ist einfach die Hutschnur geplatzt, denn mir mangelt es zur Zeit an positiven Beispielen. Danke, Rana.

  3. Liebe Cali,

    lach – wie üblich find ichs mal wieder klasse, was Du schreibst😉 Weißt Du, wie oft ich mich schon dafür geschämt hab, Mensch zu sein. Aber dann versuch ich, dahinter zu schauen. Wie arm sind die meisten Menschen doch. Sie sind in dieses System reingeboren. Sie leiden alle jeden Tag und jede Nacht. Und da kommt ihnen alles mögliche grad recht, worauf sie mit dem Finger zeigen können. Nur damit sie ihren eigenen Mist nicht anschauen müssen.

    Aber Cali, manche wissen doch gar nicht, daß es ihr eigener Mist ist. Hab ich ganz früher auch nicht gewußt bei mir selbst. Ich hab bis ca. 20 oder 23 Jahre meine Sicht der Welt für richtig gehalten. Dann wurde ich krank – zum Glück – das hat mich zum umdenken gebracht. Heute bin ich mehr als doppelt so alt wie damals – und denke immer noch um😉 – täglich.

    Du hast völlig recht, daß Dir die Hutschnur platzt, und ich finde es total klasse, daß Du es so benennst – so klar und deutlich. Aber vielleicht magst Du etwas Mitgefühl mit der Menschheit haben? Lach – ich muß da auch täglich dran arbeiten. Und ich finde, die Gesellschaft hat ihre Aufgabe für uns: Wir erkennen daran, was wir wollen oder nicht wollen. Und können uns selbst ändern und einsetzen. Ist das nicht ein tolles Geschenk? Und wenn wir uns ändern – in dem Maße wird die Welt ein Stück lichter – auch für die anderen.

    Wenn Du magst, fühl Dich mal gedrückt.🙂 Und bitte mach so weiter …

    Liebe Grüße von Kirstin

  4. Liebe Cali,

    hab grad so gelacht bei deinem Text, da ich manchmal auch so explodiere und mir dann in ähnlicher Weise der Kragen platzt und das ist ganz einfach o.k.
    Die Scheuklappen wollen Viele einfach nicht abnehmen und es scheint als ob sie ihnen mit Attak festgeklebt wurden ….
    …dann kommt jemand und schneidet an den Klappen herum …
    … manche verstehen früher, manche brauchen länger …. das Massenbewusstsein ist noch träge und zäh wie Kleister … da braucht´s noch Lösungsmittel und es sind ja immer mehr die mitmachen und aufwachen.
    Ich bemerke des öfteren, wie sich einige wandeln und plötzlich Dinge tun und sagen, die sie vorher ganz anders wahrnahmen, also besteht gute Hoffnung, dass sich dieser Virus ausbreitet.

    Lieben Knuddeldrücker für dich,
    Angelika

    • Liebe Angelika, es überrascht mich richtig bei euch mit diesem Ausbruch auf so viel Verständnis zu stoßen. Das freut mich sehr. Es gibt mir das Gefühl hier kein Blatt vor den Mund nehmen zu müssen, was ich ohnehin nicht gut kann.

      Danke für das Video, die aufmunternden Worte und die Knuddler, =) Cali

  5. Bin ausnahmsweise nicht einverstanden mit deinem Beitrag. Ich denke, du machst es dir ein bisschen zu einfach. Zu sehr schwarz-weiß, so dass der Mensch dann gleich in die Hölle geschickt wird. Menschliches Zusammenleben ist doch immer schwierig, immer herausfordernd und facettenreich.

    Insgesamt finde ich Sarrazins Thesen auch nicht richtig, warum, das hier auszuführen, würde aber zu weit führen. Aber man sollte jedem, der ernsthaft bereit ist, gesellschaftliche Probleme zu diskutieren, eine Chance geben und zuhören. Nicht alles was er sagt ist falsch. Ich finde es schon mal gut, das Thema Migration hierzulande vom Tabu zum Thema gemacht zu haben. Bis anhin war’s ja so, dass Deutsche per se mit einer Erbschuld schon zur Welt gekommen sind und somit jeder, aber auch wirklich jeder Migrant (auch der Drogendealer und Mafiaboss) ein besserer Mensch sein musste. Hätte man dieses Dogma angezweifelt, man wäre automatisch als Nazi oder Neonazi taxiert worden. Aufgrund der jüngeren deutschen Geschichte ist das alles auch plausibel, aber auf Dauer wahrscheinlich eher gefährlich. Denn Ursache und Wirkung wird verwechselt. Dass die C & A Verkäuferin eben immer noch „tuscheln“ muss, wenn sie Migration einmal kritisch – wenn auch wahrscheinlich einseitig und falsch – thematisieren will, gerade das macht solche Leute erst anfällig für braunes Gedankengut, für die einfachen „Lösungen“. Nur wenn man offen darüber reden kann, kann man auch der Wahrheit näher kommen. Nein, dass Sarrazin dieses Tabu angegriffen hat, dass man über Sinn und Unsinn von Migration tendentiell nun sprechen darf, dass ist meiner Meinung nach eben nicht falsch! Man braucht gar nicht seiner Meinung zu sein, aber dass wir vielfältige Probleme im Zusammenhang mit Migration haben, dieser Tatsache sollten wir uns nicht mehr verschließen, beziehungsweise die Ursache dieser Probleme nicht mehr einfach in ungenügenden Anstrenungen sehen, diese Menschen gesellschaftlich zu integrieren. Integration ist keine Einbahnstraße. In keinem Land der Welt werden Menschen anderer Herkunft einfach ohne deren Zutun integriert. Integration ist eine Leistung, die zuerst einmal der Migrierende zu leisten hat.

    • Lieber Tom, ja, man merkt schon an der Länge der Beiträge, dass das Thema nicht nur mein Gemüt erregt.

      Zunächst einmal weiß ich, dass ich es mir diesmal zu leicht gemacht habe. Heute sieht die Welt auch schon wieder ganz anders aus. Aber auch dieser Ärger ist noch ein Teil von mir. Und wenn ich ihn empfinde, dann fragt er nicht nach Zustimmung oder Ablehnung anderer, sondern ist einfach da. Und ich möchte mich hier nicht inszenieren, als die stets Friedfertige, Harmoniesuchende und ständige Optimistin, denn das bin ich einfach nicht. Ich habe viele Dämonen.😀

      Ich bin absolut deiner Meinung, dass nur die Konfrontation mit der Wahrheit Veränderung herbeiführen kann. Natürlich darf man über „Sinn und Unsinn von Migration“ diskutieren. Für mich aber gilt: „Alle Menschen sind gleich, alle sind frei und liebenswürdig.“ Auch ich vergesse das viel zu oft, die Verkäuferin kam mir gestern auch nicht besonders liebenswürdig vor. Das sehe ich heute aber anders. Und eben das fehlt mir bei der Diskussion „um Menschen“. Niemand hält das als Grundvoraussetzung einmal fest.

      Das, was du über die Leistung der Migranten sagst, macht mich betroffen. Glaubst du, dass irgendein Mensch nicht das aus seiner Sicht „Beste“ tut? Ich nicht. Darum vermute ich hinter dieser vermeintlich fehlenden Kooperationsbereitsschaft mancher Migranten ganz einfach das Bedürfnis nach Behauptung, Wahrung der Identität, Schutz und Sicherheit. Und genau das, und das zeigt wie ähnlich wir uns alle sind, findet sich auch auf der anderen Seite, der der Deutschen, wieder. Haargenau so.

      Fakt ist, dass genau diese Bedürfnisse Illusionen sind und wir sie gehen lassen sollten. Identifikation grenzt uns ab, entfremdet uns und schafft solche Situationen.

      Herzliche Grüße an die Tomate, Cali

    • Liebe Cali

      Sicher kann man auch seinen Ärger im Blog ablassen, auch dafür ist so ein Ding vielleicht nützlich.

      „Glaubst du, dass irgendein Mensch nicht das aus seiner Sicht “Beste” tut?“ – Nein, das glaube ich auch nicht, so lange er psychisch gesund ist. Deine weitere Antwort finde ich auch stimmig: „das Bedürfnis nach Behauptung, Wahrung der Identität, Schutz und Sicherheit“ – das ist es, was manche dazu verleiten mag, sich nicht oder unzureichend zu integrieren. Dass es auf der anderen Seite auch so ist, ja, aber da hege ich manchmal auch meine Zweifel, wie ich oben aber bereits angetönt habe. Deutschland definiert sich vor allem negativ. Höchstens, wenn es unseren Jungs mal gelingt, Fussballweltmeister zu werden, dann freut man sich auch mal deutsch. Ja, dann sagst du, dass wir das eh „gehen lassen sollten“ – auch da gehe ich mit dir. „Identifikation grenzt uns ab, entfremdet uns“ – jetzt geht’s aufs Ganze, sprich dein letzter Absatz beschreibt utopische Hoffnungen, die ich auch gerne verwirklicht sähe. Die aber heute kaum jemand als realisierbar unterschreibt.

      Unsere heutige gelebte Welt ist auch eine der Nationen und Völker, der verschiedenen Sprachen und Gewohnheiten. Und all diese Identifikationsmuster tragen ihr Potential für Zwischengruppenkonflikte, Streit und Kriege in sich. Es gilt als links und progressiv den Kampf der Palästinenser für einen eigenen Staat im Nahen Osten zu unterstützen. Im Prinzip aber ist das ein trauriges, fürchterliches und reaktionäres Ziel. Wäre denn Nationalismus auf einmal gut, nur weil den Nationalisten dazu ein Land fehlt? Man wird diese Frage naiv nennen. Aber wirklich fortschrittlich wäre eine „palästinensische“ Forderung nach ersatzloser Abschaffung aller Nationen. Deshalb: Ja, als utopisches Ziel: weg damit. Übrig bliebe der Mensch, frei und allen andern gleichgestellt. Aber stell dir Menschen vor, die sich nicht mehr über ihre Kultur im weitesten Sinne, ihre Nation, ihre Vorbilder definieren. Wo sollen die plötzlich herkommen? Den meisten wird bei solchen Vorstellungen Angst und Bange, sie fühlten sich leer und ihr Dasein erschiene ihnen sinnlos.

      Das Wetter in Italien? Keine Ahnung, dafür hause ich zu nördlich.

      Schöne Grüße
      Tom

    • 😀 Meine Statistik hat dich als „aus Italien“ stammend identifiziert. *gg* Auch die irrt sich mal.

      „Den meisten wird bei solchen Vorstellungen Angst und Bange, sie fühlten sich leer und ihr Dasein erschiene ihnen sinnlos. “ Das ist es. Es ist auch eine Art Leere nehme ich an und ich verstehe die Skepsis der Leute. Ich hege sie ja selbst. „Ob das funktioniert etc.?“ Und trotzdem scheint die Suche darauf hinauszulaufen. Viele Grüße wohin auch immer, Cali

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