Ist der Kampf vorbei?

Ihr Lieben (heute wieder mit Anrede *gg*),

in meiner Wut gestern bin ich erstmal in den nächsten Buchladen gerannt und habe mir zwei Erste-Hilfe-Lebensratgeber gekauft. Eigentlich war ich drauf und dran zur beteiligten Verkäuferin zu laufen und sie darüber aufzuklären, dass ich über ihre Ansicht sehr bestürzt bin. Das Schicksal hielt das aber für keine gute Idee. Ich konnte sie in dem Gewimmel einfach nicht mehr finden.

Eigentlich wollte ich meinen freien Tag gestern nutzen, um die Wohnung mal wieder aufzumöbeln. Stattdessen habe ich einen Kaffee nach dem anderen getrunken und versucht herauszukriegen, wie ich mit meiner Aggression, die ich liebevoll als Temperament bezeichne, umgehen soll. „Wege zur Gelassenheit“ von Peter Lauster kam also auf den Tisch und ich habe den kleinen Band verschlungen. Nur ein paar wenige Seiten hole ich heute noch nach.
Ich weiß, dass er Recht hat. Der Kampf ist vorbei. Schwer vorstellbar für jemanden, der sich stets über Kampf definiert hat. Aber ich weiß einfach, dass er Recht hat.

„Jede Methode, um sich selbst gut zu empfinden im Vergleich zu anderen, ist Kampf, auch gespielte Sanftmut, Güte und Beschwichtigung ist eine Form des Kampfes. Sanfmut und Friedfertigkeit sind nur dann keine kriegerischen Methoden, wenn du absichtslos-erwartungsfrei friedfertig bist, wenn du durch keinen Trick mehr überlegen sein willst, wenn du auch nicht einmal mehr gut sein willst, (…), die anderen nicht mehr verurteilst, dich über ihre Intrigen nicht mehr entrüstest, dich über ihre Aggression nicht mehr ärgerst, (….) die Aggressionen gegen dich als etwas ganz Selbstverständliches und Natürliches betrachtest-erst dann wirst du frei von Ärger, Angst und Wut.“ (2011:145)

Das, was er schreibt klingt absolut logisch und in ganz kurzen Momenten kann ich es fühlen, aber wie soll man das in einer Welt umsetzen, in der das keiner kann? Wenn ich plötzlich anfange nur noch wertungsfrei zu sprechen, um mir das abzugewöhnen, wenn ich mir die Freiheit nehme immer ich selbst zu sein mit all seinen Konsequenzen, wie kann man dann noch Bestand haben in diesem Umfeld? Kann ich es schaffen, dass mir das egal ist und ich es darauf ankommen lasse? Kann ich die Angst verlieren?

 
Feststeht er hat Recht, ich weiß es.

Eure Cali

9 thoughts on “Ist der Kampf vorbei?

  1. Liebe Cali,

    er hat ganz Recht mit dem was er ausdrückt, bloss, es ist nicht so einfach es umzusetzen. Ich wollte das immer tun, habe mir diese Weisheiten und Lehren immer vor Augen gehalten und es klappte auch einige Zeit, bis, ja bis ich wieder anders reagierte.
    Nun, ich wunderte micht warum ich so was nicht konstant leben konnte … irgendwann merkte ich, es ist an der Zeit einfach nur ich zu sein … ganz egal in welchen Zustand ich mich befand, ich durfte das jetzt so sein …. ja und je mehr ich irgendeinen Zustand einfach zulies, desto schneller verwandelte er sich … als ob mein Inneres mir sagte: „Hei, o.k., jetzt habe wir das mal rundherum erfahren und nun, es ist genug davon.“

    Ab und zu kamen gewisse „Ausbrüche“ oder „Frustration“ wieder hervor, aber es wurden deutlich weniger …. bis hin zur absoluten Gelassenheit führt es mich …

    Fazit: Ich merkte wenn ich etwas unbedingt wollte, weil mir ein innerer Zustand oder die Menschen zusetzten und ich das eben nicht im Leben will, dann kämpfte ich gegen mich und die anderen an.
    Kampf erzeugt Reibung und führt immer wieder zu Kampf.
    Nicht dass ich es heute zu 100% lebe, vielleicht bin ich bei 40%, aber es ist gut so wie es ist, lach, selbst in den Momenten, wo ich gar nicht mehr weiß was ich weiß und alles wieder auf den Kopf gestellt wird.

    Ganz liebe Grüße,
    Angelika

    • Liebe Angelika, ja, dieses Hin- und Her merke ich ja jetzt schon. Ich weiß genau, was du meinst. Und wenn es mein ganzes Leben so geht, dann soll es so sein. =) Ganz liebe Grüße zurück, Cali

  2. Hallo liebe Cali,

    ich kann mich Angelika nur anschließen und dir zusätzlich aus eigener Erfahrung sagen: Setz´ dich selbst nicht unter Druck! Denn – da isses wieder… Druck… Druck erzeugt Gegendruck, bei wem oder wobei auch immer.

    Du darst einfach wütend sein. Punkt. Und irgendwann, je mehr du dich in deinem Leben mit diesen Dingen auseinandersetzt, wirst du spüren, dass sich etwas verändert. Wahrscheinlich, wenn du es am wenigsten erwartest. Die Schritte sind langsam, brauchen Zeit und die Veränderung braucht vor allem auch „ihre“ Zeit. Wenn es dran ist, ist es dran…

    Manchmal mache ich eine Übung, wenn ich mal wieder so richtig scheiß wütend bin: Ich gehe in ein anderes Zimmer, wenn ich auf eine Person wütend bin, die gerade mit mir in einem Raum ist. Wenn es um eine Sache geht, bleibe ich. Dann setzte ich mich ruhig irgendwo hin, schliesse meine Augen und spüre diese verdammte Wut. Das ist so super schwer, dass ich es kaum aushalte. Aber ich will sie einfach spüren und bei mir behalten. Denn es ist meine Wut, meine Energie! Und die gehört weder der Sache, noch der anderen Person und schon gar nicht irgendeinem dieser unehrlichen Politikern. Ich möchte sie auch nicht in irgendein Kissen schlagen etc., sondern spüren und – wenn ich gut bin, transformieren. Vielleicht bin ich 1x gut und dann wieder 3x nicht so gut… so what. Wir sind zum Lernen hier🙂

    Ich habe das Gefühl, Wut hat, wenn sie transformiert ist, etwas mit Mitgefühl zu tun. Dass konnte ich schon mehrfach spüren, aber das würde jetzt hier den Rahmen sprengen. Wut ist ein interessantes und spannendes Thema – vor allem für uns Frauen…!

    Lies´ alle literarischen Lebensretter, die du finden kannst, betrachte sie mit Abstand. Nimm aus jedem etwas mit. Frage dich nicht wie du es in einer Welt umsetzen sollst, in der es keiner kann, sondern ÜBE an deiner Umwelt und sei dankbar, dass sie dir die Möglichkeit dazu gibt

    Alles Liebe
    Tine

  3. Liebe Cali,

    ich finde es absolut in Ordnung, wenn man das rausläßt, was in dem Moment grad in einem ist. Lach – ich selbst hab das grad im Bereich von Wut viel zu selten getan und tue mich auch heut manchmal schwer damit. Bei mir klappt es eher bei Traurigkeit. Ich glaub, das ist so wichtig, daß man genau zu dem steht, was eben grad ist.

    Und Du fragst, wie das Gelassen bleiben klappen soll in einer Welt, in der das keiner kann. Ich hab die Erfahrung gemacht, daß es mir da hilft, einfach nur bei mir selbst zu bleiben. Nicht auf andere zu sehen, sondern für mich entscheiden, daß ich gelassen bleiben will. In dem Maße hab ich die Gesamt-Energie der Situation bereits verändert – verbessert. Und das wirkt sich auch auf den anderen aus. Lach – na ja, so immer klappt das mit der ganzen Gelassenheit nicht, aber es ist schon viel besser geworden.

    Liebe Grüße von Kirstin

    • Liebe Kirstin, es süß wie ihr alle von euren eigenen Erfahrungen berichtet und sich vieles ähnelt. Das finde ich beruhigend und schön. Liebe Freitags-Grüße, Cai

    • Liebe Susanne, ich habe mich noch nicht mit Reiki beschäftigt und werd‘ es jetzt bestimmt mal tun. Danke für den Tipp!😉 Cali

  4. „Du hast Angst vor der Angst. – Das ist weise, Harry, sehr weise.“, sagt in einem HP-Film Remus Lupin und Reinhold Messner in einem Interview, dass ihn auf seinen Touren die Angst davor beschützt hat, Dinge zu tun, die sein Überleben gefährdet hätten….

    Heute hab ich mich über zwei Dinge über Ängste und Leidensfähigkeit und Mut besonders gefreut, die ich gerne teilen möchte:

    http://ziemlichschoen.wordpress.com/2012/08/24/das-wort-zum-freitag/

    und

    http://denkbonus.wordpress.com/2012/08/24/we-will-never-bomb-phase-2-und-eine-email-aus-teheran/

    Liebe Grüße zu dir und bleib lebendig

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s