Von meiner Autoritätsaversion, Straßenbahnen und rotem Zucker

Liebe Lehrer unter euch, ich bin für die Anerkennung der Autoritätsaversion als pathologischen Reflex, genetisch verankert und nicht therapier-, also auch nicht (be)strafbar. Ich bin das beste Beispiel. Selbst mit 23 Jahren bin ich noch unfähig Situationen, in denen mich das Gefühl des Autoritätsmissbrauchs beschleicht, erwachsen zu lösen und das weiß jetzt auch mein Dienstagmorgenkurs.

Das politische System in XY, auf xyisch, spontan und vor versammelter muttersprachlich versierter Mannschaft erklären zu müssen, weil der Lehrende nicht weiß wie er die Stunde sonst füllen soll und ein Fehlermacher da gerade richtig kommt, ging genau drei Sätze lang gut und dann…und dann habe ich dem Dozenten auf deutsch einen Vortrag darüber gehalten, dass ich das nicht möchte, nicht kann und mich nicht vorführen lassen werde. Dann wurde mir eine Anstandsdame an die Seite gestellt, die mich unterstützen solle, wenn’s nicht mehr ginge. Ähm! Hat er mich verstanden? Offensichtlich nicht. Plötzlich konnte ich es ganz von allein, der Wutknoten war eben geplatzt.

Zumindest war es mir diesmal nicht peinlich. Immerhin dafür scheint mein Selbstbewusstsein mittlerweile zu reichen, aber nicht für so einen blöden Stehgreifvortrag. Natürlich ist die generelle Ablehnung unangemessener Autoritätsausübung das eine, das andere sind aber massive Selbstzweifel, die mich einfach angreifbar machen. Da schnapp‘ ich schon mal zu. Hach nee. Seufz.

Auf dem Nachhauseweg hat mich dafür ein altbekannter Duft nach warmem Zucker gelockt. Der Weihnachtszuckerbäcker ist wieder da. Natürlich habe ich ihm den obligatorischen kandierten Apfel und eine Stange kandierter Weintrauben abgekauft und mich dazu durchgerungen, dem seit Jahren immer gleichen Verkäufer (slawischer Herkunft?) zu verklickern, dass ich mich freue, dass er wieder da ist. Da hat er sich dann auch gefreut und ich habe was für mein Karma getan. Und prompt habe ich eine Straßenbahn früher bekommen, weil es mir mit roten Zuckerlippen und saurem Apfel im Mund egal gewesen wäre zu warten.

Das war das Ralph-Prinzip: Wenn du willst, dass etwas klappt, dann möchte es nicht!

Ich wünsche euch einen zuckersüßen Nachmittag, Eure Cali

10 thoughts on “Von meiner Autoritätsaversion, Straßenbahnen und rotem Zucker

  1. Ich bin Lehrerin, führe meine Schüler aber nie vor – schon allein, weil ich früher so eine furchtbare Geographielehrerin hatte, vor der ich totale Angst und wegen der ich das Fach in der Oberstufe sogar abgewählt hatte.
    Vielleicht hatte der Typ einfach schlechte Laune oder ist unqualifiziert?! Liebe Grüße!

    • Das finde ich toll, dass du darauf Rücksicht nimmst. Ne, schlecht gelaunt war er nicht, er versucht nur immer mit so wenig Aufwand wie möglich für ihn selbst so viel Zeit wie möglich totzuschlagen und da kommt sowas gerade recht. Und auch aus pädagogischer Sicht hat er nichts drauf. Manchmal führt er ewige Monologe ohne wirklich etwas dabei zu sagen, ein anderes mal lässt er uns viel zu lange an Aufgaben arbeiten, weil er einfach keine Lust hat weiterzumachen. Naja. Ich bin leider viel zu selten einem Lehrer/ einer Lehrerin wie dir begegnet. Viele Grüße und weiter so!

      Cali

  2. ganz herrlich, cali, auch wenn ich nicht mal die hälfte wirklich verstanden hab. aber grad deshalb glaub ich, es war soooo gut.🙂 auf jeden fall mußte ich lachen. mach dir luft, wo immer es geht😉
    viele knuddels von mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s