Der Trip nach Neuseeland ist mutig, mutiger ist es Zuhause zu bleiben

Noch nie ist mir die Last auf den Schultern meiner Generation bewusster gewesen als jetzt zum Ende meines Studiums. Allmählich zeigt sich die Kehrseite von Bildung und Jugend in globalisiertem Rahmen, die nicht nur großartige Entfaltungsmöglichkeiten bieten,  sondern auch die Messlatte eines erfüllten Lebens ungesund hoch hängen.

Studiert zu haben ist heute kein Garant mehr für einen tollen Job mit anständigem Gehalt und etwas Prestige. Frischgebackene Juristen jobben nach dem Studium als Arbeitsvermittler, oft ist es nötig das eigene Fachgebiet zu verlassen, um Arbeit zu finden.

Auslandserfahrung, je mehr desto besser, mehrere Sprachen in Wort und Schrift, Soft Skills, wie maximale Flexibilität und Teamfähigkeit, eine gute bis sehr gute Abschlussnote, gesellschaftlich engagiert, am besten ehrenamtlich, ein großer Freundeskreis, Vitamin-B auf der ganzen Welt und Praxiserfahrung neben dem Studium werden erwartet, will man einen der heißbegehrten Top-Einsteiger-Posten.

Gibt man sich mit weniger zufrieden sieht die To-Do-Liste allerdings ähnlich aus. Das fehlende Engagement kann dann verschmerzt werden, alles andere sollte irgendwie vorhanden sein.

Jeder war schon in Südafrika und Neuseeland und hat dort Work’n Travel gemacht. Das gehört zum coolen Ton. Dass der Aufbau einer eigenen selbst finanzierten Existenz im Heimatland mindestens genauso viel Erfahrungspotential bietet wird bezweifelt, ist es längst nicht so leicht in einer tollen Geschichte zu verpacken und sieht nicht so schnieke aus im Lebenslauf.

Es braucht viel Mut und Glaube an sich selbst sich dem Trend zu widersetzen und nur soviel von dem Erwarteten zu tun, wie es einem gut tut. Dass es jedermanns Ding ist neun Monate im Jahr durch die Welt zu traveln, an komischen Orten zu schlafen, die mit dem eigenen Bett nicht mithalten können und sich den Arm auszurenken, um Studium, Arbeit, Praktika, Facebook und gesundes Essen für die reine Haut unter einen Hut zu kriegen, glaube ich nicht.

Aber das geben nur Wenige zu. Bis das zum Trend wird.

8 thoughts on “Der Trip nach Neuseeland ist mutig, mutiger ist es Zuhause zu bleiben

  1. Liebe Cali, es braucht Mut, „gegen den Strom zu schwimmen“ und ich bin sicher, diese Stärke wird über kurz oder lang anerkannt und genau das „nicht wie alle anderen sein“ wird bestimmt auch honoriert. Mein erster Gedanke war bei diesem Satz „nur soviel von dem Erwarteten zu tun, wie es einem gut tut.“: Waoh toll, die Cali, die sorgt für sich; sie sorgt dafür, dass es ihr gut geht. Wenn ich in Deinem Alter das mal schon so klar erkannt hätte wie Du jetzt:-). Aber lieber spät als nie:-). Liebe Grüsse zu Dir, Andrea

    • Danke, liebe Andrea! Es bringt leider nichts vieles schon jung zu erkennen, man kann den Lebensrhythmus nicht überlisten. Im Endeffekt hat man die gleichen Lebensabschnittskrisen wie andere. Manchmal steht es einem sogar im Weg. Trotzdem hoffe ich immer gut für mich sorgen zu können, auch wenn’s manchmal schleift. *gg*

  2. Liebe Cali, mach nur das was Dich glücklich macht. Niemand sollte Dinge tun, nur weil die gerade trendy sind. Gut, ich war auch viel im Ausland und Work and Travel habe ich auch gemach und nun sitze ich in Indien….aber das habe ich nicht getan, weil es von mir verlangt wurde. Im Gegenteil. Ich musste gegen den Strom schwimmen. Niemand hat mich verstanden, meine Familie würde mich immer noch lieber in Deutschland sehen….aber das ist mein Leben. Ich weiß zwar nicht wo es mich hinführen wird, aber irgendwann werde ich schon das große Ganze verstehen🙂

    • Ja, so muss es sein, liebe Mascha. Es muss eben von Herzen kommen. Dann ist das auch vollkommen okay. Aber es muss eben auch anders gehen dürfen. Viele Grüße nach Indien!

  3. Ich denke, jeder sollte das machen, was am besten zu ihm passt. Das ist der Vorteil unserer Generation, dass wir eine Wahl haben. Meine Wahl war – meinen während des Studiums immer geringen finanziellen Mitteln entsprechend – nach Irland und Dänemark für Praktika bzw. Erasmus zu gehen, wobei Auslandsaufenthalte für Englischstudenten (bzw. später -lehrer) natürlich auch wichtig sind (plus: ich hasse schon Zelten, da teste ich garantiert nicht ähnlich schlimme Schlafmöglichkeiten). Aber ich habe sehr viele Freunde, die zu Hause geblieben sind und in den Semesterferien noch viel mehr Praktika absolviert haben.
    Mach einfach das, was dir am besten gefällt, liebe Cali, damit fährt man immer am besten im Leben!
    P.s. Dein neues Bloglayout ist hübsch!

    • Liebe Janavar, ich bin mir manchmal nicht so sicher, ob wir eine Wahl haben. Zumindest ist es oft mit allerlei Schwierigkeiten verbunden sich dem allgemeinen Konsens zu widersetzen.

      Vielen Dank!😉

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s