Stehst du schon? Oder kriechst du noch?

Konvention ist keine Legitimation. Viele Leute tun Vieles. Die Anzahl der Menschen aber, die etwas tut, ist kein Indiz für erstrebenswertes menschliches Handeln. Der Wert eigentlich „normaler“ Dinge für den Einzelnen und für die Gemeinschaft sollte darum regelmäßig und gründlich geprüft werden. Hierfür wird das Anstrengen der körpereigenen Gehirnzellen dringstens empfohlen.

Nur mal kosten

Dass Drogen böse sind, lernt man schon in der Schule. In der 10. probieren es trotzdem manche. Aber einer hat gezwitschert und der Rektor zieht das Gras ab. Das ist auch gut so, denn die bewusstseinsverändernde Wirkung von Drogen ist gefährlich und unkontrollierbar. Und ist man erstmal süchtig wird der Entzug hart. Gegen ein Bier hier und da ist aber nichts einzuwenden. Für die Mädels gibt’s Baileys. Das ist schön süß und führt ran. Dass man das Gesicht am Anfang etwas verzieht ist normal, da muss man sich eben überwinden, aber irgendwann schmeckt’s dann. Und es macht Spaß. Ohne geht’s einfach nicht.

Zwar ist der Pro-Kopf-Verbauch von Alkohol rückläufig, trotzdem ist er nicht wegzudenken. Verweigerer sind entweder militant oder bald überzeugt. Doch wem schmeckt das Zeug eigentlich im zarten Alter von 15? Und warum fällt das Nein-Sagen so schwer? Sind Eltern nicht in der Lage ihre Kinder zu Willensstärke und Verantwortungsbewusstsein zu erziehen, im Mindesten aber ein Bewusstsein für die eigenen Grenzen zu festigen? Und ist Alkohol wirklich nur ein Anheizer und nicht die perfekte Legitimation aus sich rauskommen zu dürfen? Nüchtern aggressiv oder melancholisch zu sein ist was ganz anderes als besoffen? Und warum? Weil es alle machen.

Das bisschen Werbung

Jetzt muss ich aber aufpassen. Facebook nicht zu benutzen enttarnt mich sonst noch als fortschrittsfeindlich oder kleinkariert. Aber stimmt, man muss ja nicht alles reinschreiben. Nur was man will. Es ist einfach praktisch. Ohne Facebook hättest du bestimmt keinen Kontakt mehr zu den Australiern, die du letzten Sommer kennengelernt hast. Das wäre traurig. Wer weiß wozu man diese Kontakte nochmal gebrauchen kann? Und die Werbung macht dir nichts aus. Auch die ist nämlich super praktisch, denn dich interessieren die angezeigten Produkte häufig. Facebook weiß eben, was du willst. Es weiß es sogar, bevor du es weißt.

Das Geschäft mit den Daten, ob erlaubt oder in der Grauzone, floriert. Es sind doch nur Daten. Die langen Texte, die du deiner Freundin schreibst, interessieren doch eh keinen. Dein Liebeskummer, dein Musikgeschmack, deine Fotos vom Strandbadbesuch, deine Launen, dein Zimmer, deine Wünsche und deine Wut kann doch ruhig jeder sehen. Dann steh‘ in der S-Bahn auf und erzähl‘ es den Fremden. Klingt komisch? Warum? Wenn du dafür noch zehn Euro bekämst, wäre das mehr als Facebook dir dafür gibt.

Um die Beagle tut es mir auch leid, aber die Ratten sind mir egal

Der Antrag auf die Anerkennung von Tieren als Mitlebewesen wurde am 13. Dezember vom Bundestag abgelehnt. Immerhin dürfen Ferkel ab 2019 nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden. Tierversuche müssen ja auch sein. Schließlich würde ja niemand ein Medikament ablehnen, dass ihn heilt, aber durch Tierversuche erforscht wurde. Dass so ein Beagle wegen seiner Ausgeglichenheit besonders geeignet ist, um chemische und pharmazeutische Tests an ihm durchzuführen, ist natürlich irgendwie sarkastisch. Aber ist es nicht besser, so ein Hund lernt Himmel und frische Erde erste gar nicht kennen, als wenn ein Mensch sein Leben verliert? Und Ratten sind eh eklig. Es ist also die beste Alternative.

Kann die Ausbeutung von Natur und Lebewesen jemals eine Alternative sein? Oder ist sie nur ein hochverzinster Kredit? Und wiegen ein paar Lebensjahre mehr und geschmeidige Haare den Schaden, den der Mensch verursacht, wieder auf? Wieviel Mensch erträgt die Erde überhaupt? Ist es unvorstellbar im Sinne der Natur zu handeln und trotzdem ein schönes, bequemes und zufriedenes Leben zu führen?

Oder bedingt das eine sogar das andere? Solange wir willig am Boden kriechen, werden wir es nicht erfahren.

13 thoughts on “Stehst du schon? Oder kriechst du noch?

  1. liebe cali, ich glaub, daß dein text gut ist, aber das problem ist, daß ich leider nicht wirklich versteh, was du sagen willst …😉 sorry … also im prinzip willst du doch sagen, daß wir nicht mit sondern gegen den strom schwimmen sollen, oder?

    vielleicht liegt das an meinem fortschreitenden alter oder an den energien, daß ich es ncht verstehe😉

    liebe grüße von kirstin

    • 😀 Manchmal bin ich ein bisschen wirr und es steckt viel Sarkasmus drin, aber ja: Man soll einfach mal sein Gehirn einschalten und hinterfragen was das Zeug hält.

    • sarkasmus und wut ist gut, kenn ich von mir selbst zu gut … da muß denn immer was raus … und was raus ist, kann nicht mehr nerven🙂

      das hab ich wohl gemerkt im text.😉 und hinterfragen ist immer allerbest, da bin ich die erste, die dafür ist. lach – aber nu kommts: ich bin bei fb – und bin sehr glücklich damit …😉😉 hab dort viel gefunden, was ich gesucht hab. allerdings geb ich keine daten preis. aber cali, andererseits ist es doch völlig klar, daß jeder und jede von uns bereits jede minute überwacht wird …

      liebe grüße von kirstin

    • Es geht mir auch nicht um das Kommunikationssystem, was hinter Facebook steckt. Das hat selbstverständlich viele Vorteile, aber zu welchem Preis? Sind die Leute, die dahinterstecken vertrauenswürdig? Welche Art von System unterstützt man als User? Das alles sehe ich sehr kritisch.

      Und vor allem gibt es keinen Grund sich mit der fortschreitenden Überwachung abzufinden.

    • liebe cali, selbstverständlich sind die leute, die dahinter stecken, nicht vertrauenswürdig. aber die politiker oder die bankster oder die macher des fernsehens usw. usw. usw. sind ebenso wenig vertrauenswürdig … alle dienen nur zwei göttern: der gier und der macht. na klar kann man jetzt sagen, daß das kopf in den sand stecken ist. ist alles so eine ermessens sache. hab bei facebook lange überlegt, ob ich mitmache oder nicht. aber jetzt wiegen die vorteile des vernetztt seins für mich doch schwerer.

    • Es gibt ganz sicher auch noch Unterschiede zwischen Nutzer und Nutzer. Reflektiertes Nutzen mag durchaus ein Kompromiss sein.

      Bloß wie sollen die technischen Möglichkeiten dann jemals aus dem kapitalistischen Kontext gerissen und in gemeinnützige menschliche Errungenschaften überführt werden, wenn die Spielregeln von vornherein akzeptiert werden? Muss es erst wieder zu einer wirklichen schlimmen Entwicklung kommen damit ein radikales Umdenken stattfindet? Damit man sich betroffen fühlt? Bis nichts geringeres als die Menschlichkeit hinter allem! Bedingung wird?

      Ich glaube, dass wahre Menschlichkeit erst existiert, wenn sie kompromisslos ist.

    • Ach, naja, ums Recht haben geht’s ja nicht. Gegenargumentation ist immer gut. Nur so lernt man zu differenzieren und die eigene Meinung nicht für unfehlbar zu halten.

      Außerdem weiß ich jetzt wieder genauer worum es mir in Sachen Facebook geht.

    • nein cali, es geht nicht um recht haben. das weiß ich auch. was ich geschrieben hab, meinte ich auch genau so. ich denke doch im grunde genau so, wie du, da gab es für mich einfach nichts mehr dazu zu sagen. ich hab mich auch in dem moment wieder selbst hinterfragt, wo im leben ich eigentlich kompromisse schließe.

      das mit facebook ist für mich natürlich ein kompromiss, aber einer, mit dem ich noch leben konnte. vieles gibt es, da gibt es für mich keine kompromisse – vor allen dingen keine faulen …

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