„Wie viele Dinge macht ihr gleichzeitig?“ Oder „Ein ganz normaler Morgen“

An Tagen, die ich Zuhause verbringe, grault es mir vor dem Aufstehen um neun genauso sehr wie vor der morgendlichen Folter um halb sechs an einem gewöhnlichen Uni- oder Arbeitstag. Warum? Weil ich weiß, was mich erwartet.

Der Wecker war auf 9:00 Uhr gestellt. Der Wille war also da, aber das Fleisch ist schwach. Fünf Mal habe ich heute Morgen auf die magische Taste am Wecker gedrückt, die den widerwärtigsten Piepton der Welt nochmal zehn Minuten verzögert. 5 x zehn Minuten um genau zu sein. Dieses Geräusch, das an irgendwas zwischen einem Quietschen und Ächzen erinnert, verursacht bei mir Magenschmerzen, egal wann und wo ich es höre.

Hinter dem Vorhang

Widerwillig entschließe ich mich meinen schönen Traum aufzugeben und all meine Willenskraft zusammenzunehmen, um einen Fuß unter der Bettdecke hervorzustrecken. Die Schlafzimmervorhänge sind so dicht, dass ich annehme draußen wütet noch immer das Sauwetter der vergangenen Tage- eher kontraproduktiv für meine Motivation. Doch schon bei dem ersten zaghaften Zurückziehen des Schals, blendet mich das ersehnte Comeback des Winters. Gehüllt in schlurrweißem Schnee und begleitet durch strahlenden Sonnenschein vertreibt er all die verfrühten Frühlingsgefühle.

Mein ständiger Begleiter

Noch während ich den Schnee vom Fenster aus betrachte, schmeiße ich den PC an. Egal wofür, ich werde ihn brauchen. Kaum öffne ich dann die Schlafzimmertür stürmt mir eine völlig vernachlässigte Katze entgegen, die mir fortan den gesamten Morgen an den Fersen kleben wird und nach einem zweiten Frühstück verlangt. Zwar wurde der Mops heute schon vom Liebsten gefüttert. Mir will er aber unnachlässig das Gegenteil weiß machen.

Der Marathon beginnt

Duschen und dann erstmal an den PC, um auf dem Laufenden zu bleiben. Ich habe Hunger und ein Spaziergang bei dem herrlichen Wetter lockt, aber was ist der moderne Mensch ohne sein digitales Up-Date? Kein moderner Mensch. Darum ziehe ich mir schnell die Horrornachrichten aus aller Welt rein, während die Kaffeemaschine hochkocht und das Brötchen im Ofen liegt. Ab jetzt (na endlich!) zähle ich die gleichzeitig stattfindenen Handlungen (2).

Alles und nichts

Ich mag es nicht, wenn es ungemütlich um mich herum ist. Eh ist die Bude mal wieder putzreif. Darum mache ich nebenbei eilig das Bett und schiele mit einem Auge auf die Schusswaffendiskussion in den USA (3). Rüdiger rennt immer noch aufgeregt um mich herum und will mich zu seinem leeren Napf führen. Ich versuche ihn abzulenken und entertaine ihn ein wenig, indem ich ihn unter der Decke verstecke (4). Da fällt mir siedendheiß der nächste Vortrag ein, der nächste Woche ansteht. Ich öffene schon mal den zu bearbeitenden Artikel. Schlechtes Gewissen kurzzeitig beruhigt (5).

Bevor ich das Brötchen schmiere und den Kaffee eingieße, muss ich wenigstens noch die drei Krümel im Bad und Rüdigers Lieblingsplätze absaugen. Er haart das ganze Jahr, meine ich. Als ich den Staubsauger anschmeiße (6), erstarrt der eifrig nach dem Ausgang suchende Kloß unter der Decke. Er tarnt sich, wenn sein Erzfein auf den Plan tritt. Ganz unaufffällig so ein Riesenhügel im Bett.

Ich muss grinsen, weil mir dieses Chaos zwar auf den Senkel geht, es für Außenstehene aber echt lustig aussehen muss und forme gedanklich schon Sätze für einen Blogeintrag (7).

Und nun sitze ich hier. Und drücke mich erfolgreich vor der Arbeit. Auf sieben Baustellen habe ich allein morgens gleichzeitig gearbeitet. Sehr ineffizient. Macht ihr es besser oder schlägt mich jemand im Multi-Tasking?

Eure Cali

15 thoughts on “„Wie viele Dinge macht ihr gleichzeitig?“ Oder „Ein ganz normaler Morgen“

  1. Ein sehr köstlicher Blogeintrag, besonders weil der Gatte im wahren Leben den gleichen Namen trägt, pruuust. ich könnte mich wegschmeißen…Ansonsten bin ich ein total stramm organisierten multitaskender Frühausteher… ich habe nebenbei auch noch eine Zeitung aus echtem Papier😉 LG von Rana

    • Der Gatte heißt Rüdiger? *gg*

      Oh ja, eine Zeitung aus Papier. Das hatte ich mir auch mal vorgenommen, aber da wird es dann einfach zu schwierig noch zig Sachen nebenher zu machen. Ich brauche freie Hände. =D

    • Der ist momentan nicht sooo aufregend. Da ich durch die Gegend humpel wie eine behinderte (Entzündung in den Gelenken).

    • Oh, ich wünsche dir gute Besserung. Komischerweise höre ich in letzter Zeit sehr oft von Gelenkbeschwerden und generell Gesundheitsbeschwerden. Alles Gute, liebe Mascha!

  2. Ich mache immer eins nach dem anderen. An jedem Morgen, auch an den Wochenenden ist das so. So einen gemütlichen Morgen wie Du hast, möchte ich auch mal haben. Bei mir geht morgens erst einmal die Arbeit mit den Tieren los. Wenn ich die 1. Runde geschafft habe und alle versorgt sind, dann koche ich für mich einen Kaffee. Vorher ist an Frühstück und Zeitung lesen nicht zu denken.

    Na? Bist Du jetzt dankbar für Deinen gemütlichen Morgen?😀

    LG Susanne

    • Liebe Susanne, das hört sich entspannter an als es ist. Es könnte ganz gemütlich sein, wenn ich den inneren Drang, mehr in kurzer Zeit zu schaffen als möglich ist, ablegen könnte. Ja, aber das andere Leute wesentlich mehr erwartet, wenn sie die Augen aufschlagen, gibt mir den Ansporn meinen Luxusmorgen tatsächlich mal zu einem zu machen.

      Bis bald! Cali

  3. Ich hab dazu mal wieder ein Bild vor Augen. Und zwar den Brötchen-Knoten von Lamiacucina neulich. So finde ich, ist es auch mit meinem Tagesablauf. Manchmal gelingt er und schmeichelt dem Magen und manchmal liegt er schwer darin, je nachdem, ob gut ich im Meistern der einzelnen Anforderungen, verflochtenen, gleichzeitigen Aufgaben war oder ob auch manches einfach nicht in meiner Hand lag. Hier kommt der Link: http://lamiacucina.wordpress.com/2013/01/04/zopfknopf/

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