Gut sein lassen

Der Schnee reflektiert die Sonnenstrahlen und die Bäume sehen aus wie Wurzeln, die sich nach der Fürsorge des Himmels sehnen. Aber es ist doch schon fast Mitte März, denke ich. Vor Weihnachten wäre dieses Wetter traumhaft gewesen. Und auch jetzt könnte alles so bleiben, wenn es doch nur ein paar Grad wärmer wäre.

Ich laufe weiter und beobachte meine Schuhspitzen, wie sie mit jedem Schritt nasser werden. Vorsorglich trete ich auf dem Asphalt zweimal kräftig auf. Aber es ist schon zu spät. Große Flecken haben sich auf den Stiefeln breitgemacht. Immerhin brauche ich heute keine Handschuhe, beruhige ich meine Angst vor kalten Füßen und Fingern. Ich ziehe die Kapuze in meinem Nacken zurecht und gehe den Weg hinunter zum Wasser. Viele Leute suchen bei diesem schönen Winterwetter die Nähe der Natur. Schnell befreie ich die einzige Bank, die noch frei ist, vom Schnee und improvisiere mit meinem Schal eine kleine trockene Sitzfläche. Ein paar Seiten will ich lesen, bevor ich den Rückzug antrete und Zuhause einen Nachmittagskaffee koche.

Herr Gott, sieht der See schön aus. Ich kann mich kaum auf die Geschichte konzentrieren. Auch sie erzählt von Wintertagen und eigentlich habe ich genug davon. Eigentlich. Doch wenn ich ehrlich bin, dann ist es perfekt. So wie es gerade ist. Der See glitzert und die Luft ist kühl und wärme-versprechend zugleich. Die Vögeln zwitschern schon und doch halten Sträucher, Gräser und Bäume noch den Atem an. Verhalten lockt der Frühling, aber es ist Winter.

Früher verstand ich unter „gut sein lassen“ die Aufforderung Dinge gut sein zu lassen, die besser sein könnten. Doch in diesem Moment wird mir klar, was es wirklich bedeutet sich einmal nicht einzumischen. Gutes nicht von den eigenen Erwartungen abhängig zu machen und zu akzeptieren, dass es einen nicht braucht. Himmel und Erde machen sich nichts aus unserem Groll oder unserer Zustimmung. Sie sind wie sie sind und dabei unfehlbar. Wer möge, der lasse sich darauf ein, alle anderen wettern ungetrost weiter.

6 thoughts on “Gut sein lassen

  1. Ich finde es toll, dass mal einer eben nicht in das allgemeine Dauergenörgle einstimmt. Dabei muss ich mich selbst an der Nase fassen, denn auch ich gehöre zu der Fraktion, die mit offfenem Mund vorm Fenster steht und sich fragt, was das denn jetzt bitteschön wieder soll.
    Es einfach so zu genißen wie es ist, das ist wirklich eine fantastische Forderung! Immerhin haben wir nicht immer diese wunderschöne Mischung aus Schnee und bereits frühlngshaft kitzelnden Sonnenstrahlen.

    • Stimmt. Es hätte im Dezember noch gar nich so sein können, weil der Stand der Sonne ein ganz anderer war. So können wir den Winter wenigstens in guter Erinnerung behalten, wenn dann endlich der Frühling kommt.

      Schön, dass ich dir auch die andere des Wintercomebacks näherbringen konnte. Dann sind wir schon zwei, die das Wetter machen lassen. Es wird schon wissen was es tut.😉

      Viele Grüße für dich! Cali

  2. alles ist gut, wie es ist. in jedem moment. es gibt ja nur diesen moment. so schwieig zu „verstehen“ … aber zu fühlen ist es so einfach. das weiß ich aber auch erst seit kurzem. ist aber genial.

    liebe grüße von kirstin

  3. Ich finde auch, dass man das genießen sollte, was man gerade hat. Es gibt da einen Spruch: „Die glücklichsten Menschen haben nicht das Beste aus allem, sie *machen* das Beste aus allem.“ Und so versuche ich, immer etwas Positives in jeder, anfänglich als Ärgernis wahrgenommener Situation zu finden. Bleib positiv, liebe Cali, und du wirst einen kleinen, großen Teil der Welt verändern. Dich!

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