In Berlin nichts Neues

Och Manno! Das ist doch langweilig. Nicht nur in meinem eigenen Leben, auch für die gesamte Republik hätte ich mir mal so eine richtige Krawumm-Überraschung gewünscht. Mal was ganz anderes, ‚was Gewagtes wie ’nen zu kurzer Rock auf Omas 80stem. 49 % für die Linken, 30 % für die Grünen und der Rest für den Rest oder so. Aber ne! Alles beim Alten. Gähn.

Leute. So wird das nichts. Kein Paradies mit Bürgergehalt. Kein Verbot von Waffenexporten. Keine Farbe im Parlament.

Naja. Es bleibt uns ja noch eine friedliche Revolution. Also mir. 42 % scheinen ja zufrieden gewesen zu sein die letzten vier Jahre. Das finde ich auch okay. Man muss ja auch nicht immer meckern. Oder man ist zufrieden und meckert trotzdem. Ich werd‘ dann mal mein Transparent bemalen gehen und mich morgen pünktlich um 8 Uhr vor den Bundestag stellen.“Für ein Anzugsverbot im Parlament und buntes Graffiti an den grauen Wänden!“

Videospiel-Frauenleiden oder der vorzeitige GTA-Release

Die Geschichte fängt genau so an wie man es vermuten würde…

Er ist völlig aus dem Häuschen, weil ein Videospiel, das als „das“ Game gilt und das eigentlich jeder nach 1985 geborene Mann kennt, in ein paar Tagen erscheinen soll. Er guckt sich die Trailer zum 7. Mal an, beliest sich über alle bekannten Details  und spricht an allen denkbaren Stellen, im Auto, am Frühstückstisch und im Schlaf, über nichts anderes. Die Rede ist von GTA – Grand Theft Auto-, das heute, am 17. September 2013, in den Läden stehen sollte.

Sie versteht nur Bahnhof. Klar kennt sie das Spiel und weiß, dass die Zeit vor der Veröffentlichung sich um nichts anderes dreht. Das war vor 5 Jahren als der letzte Teil rauskam schließlich nicht anders. Trotzdem versucht sie ihn auf dem Teppich zu halten. Er ist 25 und „Hallo?“ es gibt ja wohl Wichtigeres. Zynische Kommentare und  böse Blicke drücken Unverständnis und Wahnsinnsvermutungen aus. Als ob es nicht reichen würde, dass sie versprochen hatte, am Veröffentlichungstag gemeinsam mit 100 anderen pünktlich um 10 vor dem Spieleladen zu warten und die VOR-Bestellung abzuholen, damit er nach der Arbeit sofort loslegen könne.

Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…

In einem ruhigen Moment besinnt sie sich auf die vielen Zugeständnisse, die er ihr ständig macht. Er trägt ihren rosa Einkaufskorb, wenn er ihr zu schwer wird, geht mit ihr Kräuter für Tinkturen sammeln und er würde nie sagen, dass das Essen nicht schmeckt. Also gibt sie sich einen Ruck und plant etwas Großes. Sie schreibt eine Einkaufsliste. M & Ms, Cola, ein Bier. So richtig magenschädigend eben. Sie bemalt ein altes Laken mit großen schwarzen Buchstaben „G„, „T„, „A„. Das will sie dann über die Wohnungstür hängen bevor er kommt. Der große Sessel aus dem Schlafzimmer soll die Chill-Out-Lounge und ohne Rücksicht auf Knochenbrüche ins Wohnzimmer gehievt werden. Jetzt freut sie sich wie verrückt auf Dienstag und auf sein überraschtes Gesicht. Das wird schön.

Es ist Montagnachmittag…

Nur noch ein Tag, denkt sie als sie den Schlüssel im Schloß drehen hört. Statt des gewohnten „Haalloo“- nichts. Ungläubig läuft sie in den Flur. Zwei weit aufgerissene Augen starren sie aus dem Dunkel an. Seine Mundwinkel reichen bis zu den Wangenknochen. Er wedelt mit einer bedrohlich raschelnden Plastiktüte vor ihrer Nase rum. „Guck‘ mal was ich hier habe!“ „Ich konnte es nicht abwarten und bin nochmal zum Spieleladen gefahren. Ich habe GTA heute schon gekriegt!“

o.O :-O o.O :-O